Moose Blood – I Don’t Think I Can Do This Anymore

Musikrichtung Emo, Pop Punk
Redaktion
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Ohne Kitsch scheint heute im Emo-Pop-Punk nichts mehr zu funktionieren. Schwierige Beziehungen soweit das Auge reicht, doch der Hoffnungsschimmer und der Wunsch auf das berühmte Happy End bleiben erhalten – natürlich. Beinahe schon eine vertonte Zusammenfassung aller Highschool-related Filme und romantischen Komödien. Aber ebenso wie auch diese einfach nicht ihren Reiz verlieren, so hat die Welt auch nach Jahren des musikalischen Herzblutens noch immer ein Ohr dafür; ist man als Hörer froh, mit seinen Problemen und dem alltäglichen Gefühlschaos nicht allein zu sein. Da ist es auch egal, ob man etwas Neues oder Altbekanntes bekommt.

Auf ihrem inzwischen dritten Album präsentieren Moose Blood eine Mischung aus beidem. Gleichermaßen schöne Hooks wie auch jede Menge Elemente, die man nicht nur durch ihre Vorgänger „I’ll Keep You In Mind, From Time To Time“ oder „Blush“ kennt, sondern ebenso schon von diversen anderen Bands. Ganz genau hier liegt dann aber auch das Problem: Es braucht nicht viele Durchläufe bis das doch recht pathetisch betitelte „I Don’t Think I Can Do This Anymore“ im großen Meer seines Genres untergeht und alsbald in Vergessenheit gerät. Die Songs sind schön, keine Frage. Sie gehen voran, machen Spaß, bieten viele Gelegenheiten, um ausgelassen mitzusingen – und sich bei Zeilen wie „I close my eyes, you’re all I see, you’re all I hear, you’re all I need“ („Talk In Your Sleep“) dabei vielleicht auch noch übertrieben ans Herz zu greifen – allerdings sind sie auf lange Sicht auch gleichermaßen glatt und vorhersehbar.

„I Don’t Think I Can Do This Anymore” ist ganz bestimmt kein Reinfall, aber nach zwei starken Alben und Hits wie „Bukowski“ oder „Honey“ auch gewiss nicht Moose Bloods beste Arbeit. Wollte man nach Erklärungen oder Ausreden dafür suchen, könnte man sich leicht auf den Umstand beziehen, dass die Briten in den vergangenen Monaten mehrfach mit sehr ernsten Anschuldigungen sexueller Belästigung zu tun hatten und Ex-Schlagzeuger Glenn Harvey deswegen auch zurecht kein Teil mehr der Band ist. Viel wahrscheinlicher als die Neusortierung und Rückkonzentrierung ist aber wohl, dass Moose Blood ihren bestmöglichen Punkt erreicht haben. Sie sind weder sehr gut, noch schlecht. Sie klingen gut und schön und sind bestimmt für nicht wenige die Band, deren Platten sie auflegen, wenn das Herz mal wieder blutet und sie damit nicht allein sein möchten.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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