My Iron Lung – Learn To Leave

Musikrichtung Melodic-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Die menschliche Darstellung von Gefühlen wie Melancholie, Feingefühl und Hingabe ist oft nur schwer umsetzbar. Manchmal lässt es sich nur erahnen oder erraten wie andere sich gerade fühlen, da jeder seine Gefühle, wenn überhaupt, anders preisgibt. Manchen steht das Elend ins Gesicht geschrieben, andere bekommen ihre Kiefer vor lauter lachen nicht mehr zusammen. Anders ist es, wenn man versucht Gefühle mit Musik auszudrücken. Hierbei können ganz wundervolle Sachen entstehen. Doch auch hier kreiert jeder auf seine Art und Weise sein ganz eigenes Werk. Ansonsten wird es mit Sicherheit auch schnell langweilig.

Apropos Langeweile – ein im Wortschatz von My Iron Lung nicht existentes Wort, denn Langeweile kommt hier definitiv nie auf. Und dafür sorgt die jüngst erschienene “Lear To Leave“. Und schon der Titel deutet auf Gefühlsduselei hoch zehn hin. Zu viel Emotion kann schnell anstrengend und nervig werden. Letztendlich macht es ein gesunder Mix aus allem. My Iron Lung besitzen das Talent Gefühl, Einklang und musikalische Hingabe so zu verpacken, dass sie einen direkt in ihren Schleier der wohlgeformten Melancholie ziehen, ohne einen damit zu bedrängen.

Der Puls sinkt, man verfällt in eine Art Trancezustand und lauscht den abwechslungsreichen Klängen von “Learn To Leave“. Jedoch ohne dabei in Selbstmitleid oder Trauer zu verfallen. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, welches Gefühlsbad My Iron Lung auf dieser Scheibe durchleben. Glaubt man Melodien und Lyrics, dann möchte man nie wieder einen Abschied erleben. Noch ein Grund warum es nicht langweilig wird ist das technische Gefrickel. Es gibt wirklich wenig Alben, bei denen Instrumente und Gesang so gut aufeinander abgestimmt sind wie auf “Lear To Leave“.

Hier kommt ein melancholisches Meisterwerk mit technischer Raffinesse ins Haus geflattert, dass sich ganz entspannt zwischen Defeater, Touche Amore und La Dispute einreiht. Hier entlädt sich eine seit Jahren geladene Gefühlsbombe ohne dabei kitschig zu wirken. Gemütlicher Melodic-Hardcore für den etwas weicheren Kern, der auf kleine Feinheiten großen Wert legt.

Autor Manuel Lohschmidt
Wohnort Hamburg
Beruf Marketing Manager
Dabei seit August 2013
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Facebook
Top-Alben Sinking Ships - Meridian, Another Breath - Not Now Not Ever, Have Heart - The Things We Carry, Killing The Dream - In Place, Apart, Go It Alone - Vancouver Gold, The Carrier - One Year Later, Dead Hearts - Bitter Verses, Dirty Money - No Escaping This
Die besten Konzerterlebnisse Have Heart - Hamburg, Have Heart - Bielefeld, Mindset - Mannheim, Turnstile - Groezrock, The Effort - Bremen, Sinking Ships - Bremen, The Carrier - Berlin, Another Breath - Bremen, Carpathian - Münster

Hinterlasse einen Kommentar