Nathan Gray – Feral Hymns

Album Feral Hymns
Musikrichtung Singer-Songwriter
Redaktion
Lesermeinung
3.5

Bekannt wie ein bunter Hund ist er ja, dieser Nathan Gray, und seine markante Stimme erkennt man ohnehin. Mit Boysetsfire feierte er einen internationalen Erfolg nach dem anderen. Vor wenigen Jahren gab er als NTHN GRY beziehungsweise Nathan Gray Collective dann sein Solo-Debüt und präsentierte sich mit düsterem Industrial. Von den diversen Vocal-Features etwa bei „Boys Without A Home“ von den Blackout Problems mal ganz zu schweigen.

Wirkung hat seine unverwechselbare Stimme dabei bei jedem Ton, den sie anschlägt; Songs klingen direkt mächtiger, werden nicht selten zu Hymnen, können aber – und das ist die große, ausgeprägte Kehrseite der Medaille – auch sehr schnell nerven. Gerade mit groß aufgefahrener Musik ist es manchmal einfach zu viel des Guten und der Gehörgang ist gesättigt, noch bevor er vor Hunger knurren konnte. Wie gut, dass sich sein neuester Solo-Streich vornehmlich der Akustik-Gitarre widmet. Dies bedeutet allerdings nicht, dass bei „Feral Hymns“ auf die großen Momente vollends verzichtet wird. Ganz getreu seines Titels, begnügt sich das Album mit nicht weniger als ebendies und zeigt auf, dass Hymnen nicht zwangsläufig mit epischem Songwriting einhergehen. Durch stimmungsvolle Akkorde, Gezupfe oder sanften Streichern als Begleitung bekommt das Dutzend Songs die Emotionen, die von etwas made by Nathan Gray auch erwartet wird.

Sind „Light & Love“ oder „Quixote’s Last Ride“ dabei schon beinahe upbeat, hat „Alone“ das Potenzial, mit seinem tragenden Sound und dem zeitweiligen Doppelgesang nicht nur für Gänsehaut, sondern auch für das ein oder andere Tränchen im Augenwinkel zu sorgen. Bei den langgezogenen Silben heißt es nur Feuerzeug in die Höhe und aus voller Kehle mitsingen. „Damascus“ weckt mit seinen dunklen, elektronisch angehauchten Industrial-Elementen dagegen dezente Erinnerungen an frühere Solo-Ausflüchte des Boysetsfire-Frontmannes.

Vielseitig ist „Feral Hymns“ also, natürlich emotional und manchmal ein wenig over the top, aber dennoch auf Dauer bei Weitem nicht so anstrengend wie es Nathan Grays andere Projekte vermögen. Seine Stimme steht stets weit im Vordergrund, doch gepaart mit zurückgenommener Musik kommt sie zweifellos besser daher als je zuvor. Boysetsfire mag eine großartige und wichtige Band sein, doch solo ist ihr Sänger besser anzuhören.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
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