Normandie – Inguz

Album Inguz
Band Normandie
Musikrichtung Alternative, Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5

Die germanische Rune Ingwaz (auch Inguz) steht für die Vollendung, die Erweiterung und den Neuanfang – weiß das Internet. Inguz repräsentiert eine erfolgreiche Lösung des aktuellen Problems, sie ist eine Rune der Erleichterung, eine Zeit ohne Besorgnis. Außerdem ist „Inguz“ der Titel des Debütalbums der aus Örebro, Schweden, stammenden Band Normandie.

Seit 2013 gibt es das Quartett nun und im selbigen September kam mit der selbstbetitelten EP dann auch gleich die erste Hörprobe auf den Markt. Post-Hardcore mit 08-15-Wechselgesang und ohne jegliche Spur von Individualität oder gar Abwechslung. Doch wurde das Schaffen des Quartetts schnell interessanter: Ungewohnt ruhig und teilweise elektronisch-poppig waren die Schweden plötzlich, klagen dabei aber endlich nach einer eigenen Band. Erst „Black Blood“ setzte dem Ausflug in fremde Genre-Gefilde ein Ende.

Etwa zweieinhalb Jahre nach dem Release der Debüt-EP, folgt nun das Debütalbum „Inguz“ – und Normandie klingen schon wieder anders. Alternative-Rock hat sich zum Post-Hardcore dazugesellt, sodass das Ganze bisweilen sogar als Eins-A-Stadionrock durchgeht, an dem (zumindest teilweise) sicher auch Fans von Linkin Park oder den aktuellen Bring Me The Horizon ihre wahre Freude hätten.

„Fight“ läutet das Album gleich mit dem ersten Mitschrei- und Faust-in-die-Luft-Moment ein: „Do you stand for something? Or do you fall for nothing“. Facettenreich und hochdynamisch legt das Drumherum die Latte für „Inguz“ gleich ziemlich hoch. „Awakening“ nimmt sie dennoch mit Leichtigkeit. Eine wahre Wand aus Musik steht durchdacht platzierten Pausen gegenüber. Schwächen sucht man erstmal vergeblich: Auch „Collide“ und „Believe“ haben diese nicht zu bieten.

Bei „Loop Hole“ aber kommt wegen des rein elektronischen Intros zunächst die Angst auf – vollkommen unnötig, wie sich herausstellt. Normandie haben nicht ihr Faible für Elektro-Pop-Rock entdeckt, sondern untermauern lediglich, dass fehlende Abwechslung definitiv der Vergangenheit angehört. Selbiges gilt übrigens auch für „Starting New“. Poppiger Alternative-Rock scheint hier das Ziel gewesen zu sein – und wenn nicht, dann ist er zumindest das Ergebnis. Clever wie sie sind, haben Normandie tatsächlich für jede Zielgruppe was in Petto.

Vor allem „The Deep Cold“, „Calling“ und „The Storm“ machen schließlich deutlich, dass „Inguz“ nicht auf eine kleinen Bühne gehört, sondern auf eine möglichst große. Garniert mit einer spektakulären Lichtshow und nicht minder eindrucksvollen Pyrotechnik. Dann weiß man zwar noch weniger, auf was man denn nun am besten achten sollte, doch das wäre es wohl wert. Auch „Epilogue“ würde so gewiss am besten zur Geltung kommen. Zumal das eindrucksvoll-atmosphärische Schlusslicht mit seinen Ooh-Chören zu ebendieser Örtlichkeit bestens passt.

Normandie haben sich auf ihrem Debütalbum „Inguz“ erneut dem Post-Hardcore gewidmet und zusätzlich noch viel Anderes beigemischt. Allen voran: Alternative-Rock. Und mit dieser Entscheidung haben sie genau den richtigen Riecher bewiesen. In den Kommentaren unter dem Album-Teaser wird schon vorhergesagt, Normandie würden irgendwann genauso groß wie Coldplay werden. Vollmundige Worte, aber vielleicht gar nicht so übertrieben gewagt, zumindest nach diesem Full-Length-Debüt. Vielleicht ist „Inguz“ ja tatsächlich die Verwirklichung eines Traumes, so wie es die germanische Rune aussagt.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
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