Nothing – Dance On The Blacktop

Band Nothing
Musikrichtung Shoegaze, Grunge, Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
4.75

„Dance On The Blacktop“ – Tanz auf dem Asphalt, Gefängnisjargon für eine Prügelei im „Freizeitbereich“. Domenic Palermo blickt auf eine bewegte persönliche Geschichte zurück und greift auf dem neuen Album seiner Band Nothing mal wieder in die Trickkiste der Vergangenheit, was mit dem damals überdurchschnittlich großen Ausrufezeichen „Guilty Of Everything“ bereits vorzüglich gelang.

Nothing sind etwas anders. Nicht nur ihr gekonnter Mix aus Grunge, Shoegaze und der ein oder anderen Prise Post-Hardcore steht da für sich, auch die komplette Attitüde der Band wirkt. Wenn Palermo über Schmerzen singt, dann nimmt man ihm das auch ab, denn der Mann hat viel erlebt. Nicht nur seinen Gefängnisaufenthalt, nach dem er jemanden in einer Massenschlägerei mit einem Messer verletzte, hat seine Spuren hinterlassen. Auch er selbst hatte körperlich einiges auszuhalten, als ihm während einer Tour mit der Indiana-Band Cloakroom übel mitgespielt wurde, während er sich eines bewaffneten Raubüberfalls erwährte. Den Kopf danach auf beinahe doppelte Größe geschwollen, hat Palermo bis heute mit den Folgeschäden zu kämpfen. Denen begegnen er und seine Kollegen gerne mit großen Mengen an Alkohol, was sich auf der Bühne dann auch durchaus mal bemerkbar machen kann. Trotzdem wirken Nothing nie wie aufgesetzte Rockstars, sondern wie die Blaupause staubiger amerikanischer Arbeiterschicht.

Wenn Nothing also nihilistisch Schmerzhaftes aufrollen, dann besitzt das ganze eine gewisse Authentizität, die vielen Kollegen oftmals abgeht. Doch ist damit längst nicht genug, denn auch musikalisch findet sich auf „Dance On The Blacktop“ wieder einiges. Nothing verstehen es wie kaum eine andere Band, die negative Grundstimmung in ein teils nahezu aufreizend antagonistisch intoniertes Gewand zu stecken. Dabei überspannen sie jedoch nie den Bogen hin in klebrig süße Dreampop-Gefilde, sondern lassen immer wieder tonnenschwere Riffs unter dem Klangteppich hervorlugen, ziehen auch mal das Tempo an und lassen es gewaltig scheppern.

Während „Guilty Of Everything“ ein phasenweise extrem ausufernder klanglicher (Alb-)Traum war und „Tired Of Tomorrow“ dem bisweilen mit eher monotoner, aber doch vereinnahmender Sogkraft gegenüberstand, ist „Dance On The Blacktop“ die Mischung aus beidem geworden. Grunge und Shoegaze geben sich abwechselnd immer wieder die Klinke in die Hand, das Tempo variiert ständig, aber in einem angenehmen Zwiespalt. Am Ende überzeugen Nothing vor allem durch den ausgeklügelten Mix von musikalischer Schwerelosigkeit und Heavyness. So in etwa könnte sich das in Palermos Schädel angehört haben, vom Überfall gezeichnet und vollgepumpt mit Schmerzmitteln. „Dance On The Blacktop“ ist beinahe schmerzhaft authentisch und gnadenlos mitreißend.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
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