Odd Man Out – New Voice

Album New Voice
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
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Das ständig schlechte Wetter in Seattle, genauer Olympia, trägt mit Sicherheit einen Teil dazu bei, dass Odd Man Out so sauer klingen. Das hat bei Nirvana ja auch für schlechte Stimmung gesorgt. Aber vornehmlich sind es doch ernsthaftere Missstände: Die moderne Weltwirtschaft und das verantwortungslose Handeln der Menschheit. So ungefähr beschreibt Sänger Jeff Caffey die Antriebskraft, die hinter Odd Man Out steht. Caffey ist ja kein direkt Unbekannter; so hat der Sänger auch bei Angel Du$t und Lower Species seine Hände im Spiel.

Die Straight Edger legen also mit “New Voice” ihr Debütalbum vor. Jedoch hat die bereits 2008 gegründete Kombo schon in der Vergangenheit einiges an Musik in Eigenregie über Independent Label veröffentlicht. Das ist durchaus ein Grund, warum das Album in der Fangemeinde bereits sehnsüchtigst erwartet wurde. Das Label veröffentlichte bereits drei Wochen vor dem offiziellen Release als Amuse-Gueule die beiden Songs “Idols” und “Retribution”. Schon alleine bei diesen beiden Kampfansagen würde man zur Fridays for Future-Demo die Wasserwerfer und Gummigeschosse auffahren lassen: “Now you reap what you sow, you act like you don’t know.”

Wer jetzt schon daran Gefallen gefunden hat, darf sich jedenfalls auf mehr freuen. “You Sink” brettert nach einem kurzen Einzählen direkt los. Und ehe man aufgehört hat, Sternchen zu sehen, fräst sich der Bass bereits bei beim Titelsong “New Voice” in die Gehörgänge. Das ganze Arrangement wirkt wie eine einzige Abrissbirne, da passt “Watch you Suffer” einfach wie die Faust auf’s Auge. Einziger Wermutstropfen sind Jeff Caffeys Vocals: Seine Wut bringt er zweifellos zum Ausdruck, aber ohne abgedruckten Text fällt es schwer, ihm zu folgen.

“Shallow Grave” serviert man durch die vielen Breaks häppchenweise, was etwas anstrengend wirkt. Dafür entlohnt Griffin Kelly mit einem Gitarrensolo, dass stellenweise an Slayers “South of Heaven” erinnert. Also ganz großes Kino.

Bei “Untitled” hat man dann kurz das Gefühl, dass der Dampframme langsam der Sprit ausgegangen ist. Doch weit gefehlt – die cremigen Gitarren lullen einen zwar anfänglich ein, bilden aber nur die Vorwarnung zur finalen Sprengung. Das ist Odd Man Outs Finishing Move. Was danach folgt, ist Kehraus: “Hold your Flag” tritt nochmal richtig nach, ehe man zu “The Truth” den Abspann zelebriert.

Caffey und Konsorten haben da eine ordentliche Platte abgelegt: Youth Crew Spirit trifft auf astreine New School Hardcore Produktion. Da führt an Odd Man Out fast so gut wie kein Weg vorbei.

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
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