Of Mice & Men – Defy

Album Defy
Label Rise Records
Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
5

Das vergangene Jahr fing wahrlich nicht gut an für Of Mice & Men: Austin Carlile, Gründungsmitglied und viele Jahre lang das Gesicht der Band, musste seiner Krankheit Tribut zollen. Lange trotzte Austin dem Marfan-Syndrom und stand trotz großer Schmerzen auf der Bühne. Ende 2016 ging es dann aber einfach nicht mehr weiter. Of Mice & Men mussten ihre Europa-Tour abbrechen und die Ärzte erklärten Austin, dass er, sollte er weitermachen, seine Gesundheit irreparabel beschädigen würde. Daran kann eine Band schnell zerbrechen. Of Mice & Men aber entschieden sich fürs Weitermachen, holten aber keinen neuen Sänger an Bord, sondern übergaben einfach Bassist Aaron Pauley das Mikrofon.

Of Mice & Men klingen deswegen nun nicht gleich vollkommen anders. „Defy“ sticht aber durchaus mit ganz eigenem Charme hervor. Das Album zeichnet sich gerade durch seine recht große Bandbreite aus: und öffnet sich einer entsprechend breiten Hörerschaft. So zelebrieren Of Mice & Men mit „Instinct“ noch klassischen Metalcore a la Killswitch Engage – direkt und klischeebefreit. Auch „Back To Me“ und „Sunflower“ gehen gleich ins Ohr und klingen eher nach Breaking Benjamin, Three Days Grace und Co.

„Warzone“ und „If We Were Ghosts“ haben auf den ersten Blick damit hingegen rein gar nichts gemein. Beide Songs scheinen eher an den entgegengesetzten Enden eines Kontinuums zu stehen: Mit „Warzone“ entfesseln Of Mice & Men ein schnörkelloses Moshpit-Inferno, „If We Were Ghosts“ hingegen ist eine behutsame und zerbrechliche Ballade. Aber doch verbindet sie ein gemeinsamer Hintergrund, wie Pauley gegenüber Alternative Press verriet:

In beiden Entstehungsprozessen spielte nämlich der plötzliche Tod von Chester Bennington eine Rolle, welchem Of Mice & Men nicht nur musikalisch, sondern auch durch eine persönliche Freundschaft verbunden waren. Die schreckliche Nachricht von Chesters Tod erreichte die Band, während sie an „Warzone“ arbeitete. Wenige Tage später erlitt Pauley eine Panikattacke. „The silence brings a panic / It fills the empty space / To feed this paranoia / Trapped a mental cage” („Warzone“). „If We Were Ghosts“ wurde ebenfalls von Bennington inspiriert und thematisiert den plötzlichen Verlust von nahestehenden Menschen: „I have to wait until I get to the other side / Just to see you, just to see you / I have to wait until I get to the other side / Because I never, never got to say goodbye”.

Für eine waschechte Hit-Platte fehlen leider an anderer Stelle ein paar Prozentpunkte. „Vertigo“ etwa ist doch recht unspektakulär und wenig griffig geraten. Trotzdem können wir uns glücklich schätzen, dass die Band nach Austins Ausstieg weitergemacht hat. Of Mice & Men präsentieren mit „Defy“ zwar keine musikalische Neuerfindung, heben sich aber durchaus angenehm von ihren Genre-Kollegen ab. Bereits erwähnter Charme speist sich nämlich auch aus dem Umstand, dass „Defy“ teilweise fast ein wenig oldschool klingt: Da wäre etwa das ausgiebige Gitarren-Solo in „Instinct“ oder die lässig-groovigen Riffs in „Money“ – übrigens ein gelungenes Pink Floyd-Cover.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
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Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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