Off! – Off!

Album Off!
Band Off!
Label Vice
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
6

Wenn man das selbstbetitelte Debut-Album von Off! in die Hände bekommt ist man schon erstmal irritiert. Debut? Gabs da nicht schon eins? Die Antwort fällt schwammig aus: Ja es gab schon einen Release. Doch wie der Name „The first four EP’s“ schon andeutet, handelte es sich – rein technisch betrachtet – um eine Compilation von vier Vinyl Singles. Andererseits wurden die zur gleichen Zeit veröffentlicht, im Set verkauft, und in der CD und MP3 Version ist gar kein Single-Charakter mehr erkennbar. Aber gut, wenn OFF! darauf bestehen, daß es sich hierbei um ihr erstes Album handelt, dann wollen wir das mal so gelten lassen.

Große Unterschiede lassen sich zwischen beiden Veröffentlichungen nicht finden. Schon äußerlich gleichen sie sich: Das Artwork kommt wieder von Raymond Pettibon, es sind wieder 16 Songs mit extrem kurzer Spielzeit. Grade einmal 16 Minuten und 10 Sekunden und alles ist vorbei. Auch stilistisch hat nicht viel getan. Keith Morris bleibt seiner Linie treu und präsentiert schnellen Old-School-Hardcore-Punk im Stil seiner früheren Bands Black Flag und Circle Jerks. Es sind nicht mehr die 80’er aber seine prägnante Stimme trägt den Sound von Off! nach wie vor. Aggressiv und rotzig singt, keift und schreit er sich durch die Songs. Nicht nur die Kürze der Stücke, sondern auch die Wucht des Gesanges sorgt dafür, daß bei einigen Liedern gar kein erkennbarer Refrain mehr zu finden ist. Off! geben sich minimalistischer als zuvor.

Das musikalische Gegenstück zu Morris Gesangsattacken bildet die Gitarre von Dimitri Coats. Der vielleicht größte Unterschied zu „The first four EP’s“ ist daß der Sound von Off! gitarrenlastiger geworden ist. Coats spielt schnell, präzise, mit ungeheurer Energie. Alles zusammen klingt kompakter, aber auch kraftvoller als das meiste was man sonst von altem kalifornischem Punk kennt. Zum Glück ist die Platte aber nicht überproduziert, sondern klingt so drecking wie man sie sich wünscht.

Doch leider müssen Off! für die Entwicklung des Sounds auch einen Preis zahlen. Alle Songs gehen nach vorne, bauen Druck auf und werden von Morris Gesang geleitet. Doch in dieser Struktur sind sie sich zu ähnlich, die Lieder gleichen sich oft sehr. Es fehlen die kleinen Variationen, die es so lohnenswert machen mehrere Songs einer Band zu hören. Ganz banale Dinge wie Tempowechsel oder Abwechslung zwischen den Instrumenten kommen zu kurz. Es klingt ein wenig absurd, schließlich ist die Rede von 16 verdammt kurzen Liedern, aber dennoch ist Off! (das Album) streckenweise langweilig.

Wie kann das sein? Coats spielt mehr als drei Akkorde, aber kommt nicht an die wilden Eskapaden eines Greg Ginn heran, die Black Flag so prägten. Morris hat eine charismatische Stimme, aber ständig auf 110% wird sie eintönig. Man kann natürlich fragen, wo bei 50 Sekunden-Songs noch Zeit für Abwechslung sein soll, aber die früheren Veröffentlichungen zeigen wie das möglich ist. Das gilt für die frühen Werke von Black Flag, den Circle Jerks – und eben auch Off! Die ersten EP’s waren rauer in Sound und Produktion, aber dafür auch eingängiger, abwechslungsreicher.

Fazit: Mit ihrem ersten Album stellen Off! klar, daß die Band nicht nur ein Revival-Act aus den 80ern ist, sondern auf eigenen Füßen zu stehen vermag. Die Balance zwischen neuer Band und Retro-Sound gelingt gut. Und auch wenn die Steigerung im Sound durch Abstriche im Songwriting erkauft wird, können die alten Säcke von Off! immer noch in der ersten Liga mitspielen.

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