OK KID – Sensation

Album Sensation
Band OK KID
Label Four Music
Musikrichtung HipHop
Redaktion
Lesermeinung
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Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Gießener Hip-Hop-Kombo OK KID bewegt. Ein schmaler Grat zwischen Hip-Hop, belanglosem Pop und fast schon Schlager. Doch dahinter steckt Kalkül.

Ihr drittes Album trägt den Namen „Sensation“ – und auch das scheint mit Bedacht gewählt zu sein. Denn es geht um Aufmerksamskeitsgegeifer, Sensationsgeilheit, kurz das, was Medien und Popkultur uns tagtäglich servieren. Seichte Melodien, einfache Texte, die uns ein Wohlgefühl vermitteln, uns die Sorgen vergessen lassen. Genau damit spielt OK KID, süffisant, ironisch, zum Beispiel auf dem schnellen, tanzbaren Eingangstrack „Lügenhits“: „Dieser Weg wird kein leichter sein, doch er wird schwerer werden, wenn du an ihn glaubst. Wo ist der Stern, der deinen Namen trägt, wenn du traurig in den Abendhimmel schaust? Wunder gibt es immer wieder! Wunder gibt es leider nie für dich! Was ist bloß mit diesen Liedern, wo jemand auch mal hält, was er verspricht?“

Fröhliche Rhythmen treffen auf ernste Texte, garniert mit Einflüssen aus dem Synthie-Pop. Es geht nicht nur um Sensationsgeilheit, sondern auch um Ehrlichkeit („Hinterher“), Gentrifizierung („Ich und die Planierraupe“) oder die Heimat („Heimatschänke“). Der wohl eindrucksvollste und auch politischste Song ist „Warten auf den starken Mann“, ein Track über die Angst vor Überfremdung, das Gefühl, keinen Halt zu haben: Gib mir bitte ein Gefühl. Gib mir einfach irgendeins, nur nicht das Gefühl, ein Verlierer zu sein.“

Wer diese Menschen besser verstehen möchte, sollte sich diesen Song zu Gemüte führen. Doch was tun? Resignieren, Einsicht zeigen? Oder kann Wut ein Antrieb sein? Diese Fragen sind Themen des letzten Songs, „Wut lass nach“. Mit gebrochener Stimme, melancholischen Streichern und leisem Piano lassen OK KID den Hörer an ihrem Seelenleben teilhaben: „Wut lass nach, es wär‘ besser für uns zwei, wenn du versagst“.

Mit „Sensation“ begeben sich OK KID auf einen neuen musikalischen Weg. Ein gelungenes Album, das mit viel Wortwitz, Ironie, aber auch Wahrheiten spielt. Und das bisher politischste der Band.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Redakteurin
Dabei seit November 2014
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