OK KID – Zwei

Album Zwei
Band OK KID
Label Four Music
Musikrichtung Hip Hop
Redaktion
Lesermeinung
5

„Mir egal. Bis ich aufschlag beweis ich, dass ich flieg.“ Solche Zeilen wie in „Ich kann alles“ ist der Hörer von OK KID gewohnt. Nach dem selbstbetitelten Erstling und einer EP erscheint nun das zweite Album – mit dem schlichten wie eindeutigen Titel „Zwei“. Und schon das Cover verrät, dass die Gießener keine heile Welt besingen wollen.

Ein angedeutetes Peace-Zeichen wird stattdessen im gleichen Bild zum Mittelfinger. Und auch in den Texten klingt diese Einstellung deutlich durch. Es bleibt Raum für motivierende Songs wie „Ich kann alles“ oder „Blüte dieser Zeit“, aber auch für Liebeskummer wie im dritten Teil der „Kaffee Warm“-Reihe. Eindrücklich vermittelt die Band in der Ballade „Erinnert“ das Bedürfnis einer nach Anerkennung strebenden Generationen, nicht vergessen zu werden. Dabei beschreiben OK KID auch das Gefühl der Machtlosigkeit in einer Gesellschaft, in der sich gerade heutzutage einiges immer schneller verändert. „Stirbt die Hoffnung zuerst, dass sich irgendwas verändert. Da gibt’s nur einen Wunsch, wenn wir gehen – nichts, nur, dass man sich an uns erinnert.“

Das Gefühl des Unverständnis gegenüber der Gesellschaft äußert die Band mit ironischen Texten und Zitaten in „Gute Menschen“. Darin heißt es: „Das Letztes, was man hier noch vermisst, ist die Antwort auf die Frage, warum alles bleibt wie’s ist.“ Dabei scheuen sich die drei Jungs auch nicht, gleich noch CSU-Minister Joachim Herrmann zu zitieren: „Und am Vatertag lief sogar Roberto Blanco – der ein wunderbarer Neger war.“ Die Musik wird auf „Zwei“ fast zur Nebensache, da sich der Hörer an immer neuen Wortspielen erfreuen kann. Die Kombo liefert aber gewohnt eingängige Melodien und ein paar schöne Beats. Sogar an der Hamburger Schule versuchen sie sich gemeinsam mit Frank Spilker von der Band „Die Sterne“. Für ein weiteres Duett steht zudem Rapper Megaloh parat.

„Zwei“ ist ein gelungener Nachfolger von „OK KID“. Die Band verpackt ihre Gesellschaftskritik in schönen Wortspielen, ironischen Texten, aber auch drastischer Meinung. Scheinbar können sie einfach alles.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Redakteurin
Dabei seit November 2014
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Kraftklub - Mit K, James Blake - s/t, Casper - Hinterland, Tame Impala - Currents, Zugezogen Maskulin - Alle gegen alle, Kendrick Lamar - Good Kid, M.A.A.D. City, Fatoni & Dexter - Yo, Picasso, Mädness & Döll - Ich und mein Bruder
Die besten Konzerterlebnisse Kraftklub, Clueso, The xx, Casper, K.I.Z., Marteria

Hinterlasse einen Kommentar