One Ok Rock – Eye Of The Storm

Musikrichtung Pop
Redaktion
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Dreizehn Jahre sind ins Land gezogen, Rockmusik starb tausend Tode und erstand immer wieder auf, One Ok Rock aus Japan machen weiter Platten. Album Nr. 9 ist nun bereits das dritte an der Hand eines US-amerikanischen Songwriter- und Produzententeams, die Mission lautet weiterhin: Welteroberung. Vielleicht ist „Eye of the Storm“ die große künstlerische Vision, vielleicht ist alles halb so wild – vielleicht aber auch nur der nächste Beweis dafür, warum Japan die weltweit führende Nation innerhalb der Roboter-Industrie ist.

Nun sind gewisse Label zwar auch berühmt-berüchtigt dafür, Rock-Bands durch den Weichspülwaschgang und direkt in die Charts zu schleusen. Aber mit welchem Kalkül hier auf ein noch riesiger werdendes globales Publikum geschielt und eine ehemals coole Band als hampelnde Marionetten einer herzlosen Industrie im Auftrag der Profitmaximierung ferngesteuert wird, macht betroffen.

Dabei ist nicht mal alles Quatsch. Singen kann Frontmann Taka nach wie vor, die Melodien sind ab und zu unverschämt catchy („Grow Old Die Young“, „Wasted Nights“) und allzu gleichförmig sind auch die elektronischen Backing Tracks oder Songstrukturen gar nicht immer („Push Back“ versucht sich gar an Queen-artigen A cappellas und Stampf-Rhythmik). Aber was ist hieran echt? Dass One Ok Rock vor ein paar Jahren noch mindestens anständigen Pop-Punk mit gelegentlichen Ausflügen in härtere, gar mitunter vertracktere Gefilde gespielt und ihre Songs selbst geschrieben haben – es ist kaum noch vorstellbar. Zugunsten der Verwertbarkeit des Frontmanns, dessen Stimme hier viel zu oft auf schablonenartigen Elektropop-Analogkäse geklatscht wird, löst sich das Konzept Band dahinter vollkommen in Wohlgefallen auf. In Deutschland hat man Ähnliches zuletzt bei – der Kalauer sei verziehen – Tokio Hotel gesehen. Zumindest in den völlig übertriebenen Hochglanz-Musikvideos dürfen die drei Instrumentalisten weiterhin herumgeistern.

Was ist hier los? „Change“, zugegeben ein recht netter, harmlos-eingängiger Pop-Song, untermalte ein Jahr (!) vor Veröffentlichung der Platte einen Flugzeug-Werbespot. „Letting Go“ klingt zu hundert Prozent nach einer von Ed Sheeran aussortierten B-Seite, und genau mit dem geht es demnächst auf Stadion-Tour – das kann doch kein Zufall sein! „Worst in me“ synthiepoppt sich zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.

„In the Stars“ hieß bei Linkin Park vor zwei Jahren „Heavy“, hat unglaublicherweise sogar die gleiche weibliche Gaststimme und ist musikalisch in etwa so interessant wie das Ausfüllen eines BAföG-Antrags. „The Last Time“ hat wenigstens Gitarren, irgendwo ganz hinten im Mix. Wäre es bei einer EP geblieben, mit lediglich den drei, vier durchaus soliden Tracks von „Eye of the Storm“, man könnte One Ok Rock das Verkaufen ihrer Seelen beinahe verzeihen. Aber gerade in der zweiten Hälfte des Albums regieren Langeweile und am Reißbrett entworfene Belanglosigkeit. Musik als Dienstleistung, als kleinster gemeinsamer Nenner für ein gigantisches, gesichtsloses Publikum.

Die ein oder andere eingängige, fluffige Melodie und, okay, eine trotz allen Autotunes im Grunde noch immer recht einzigartige Stimme: guilty pleasure, Anstandsapplaus. Manchmal geht ja auch Assi-TV oder Dinner vom Mäcces um die Ecke klar, Konsum muss nicht immer sinnstiftend und weltrettend sein. Wer hier aber den ganz offensichtlichen Drahtziehern der Industrie ins Netz geht, tut dies auf eigene Verantwortung. Das sind böse Menschen, die böse Dinge tun. Vor allem um die Band selbst sollte man sich Sorgen machen: Er werde den Rock retten, hat Taka kürzlich im Interview für ein US-Musikmagazin behauptet. Man möchte den Kopf so lange gegen die Wand hämmern, bis man ihm glaubt.

Autor Ralf Hoff
Wohnort Frankfurt
Beruf Student
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