Orbit The Earth – Aphelion

Album Aphelion
Redaktion
Lesermeinung
6

Der Punkt in der Umlaufbahn eines Planeten, an dem dieser am weitesten von der Sonne entfernt ist, nennt man „Aphelion“. „Aphelion“ ist auch der Titel des über This Charming Man und Maniyax Records erscheinenden Debütalbums von Orbit The Earth.

Orbit The Earth setzen sich aus Mitgliedern von vier hochkarätigen und größtenteils leider bereits aufgelösten deutschen Hardcorebands zusammen: Ritual, Just Went Black, Empty Vision und Cobretti. Man könnte denken, dass man hier nun ein lupenreines, modernes Hardcorealbum vorfindet. Aber wer das denkt, der liegt größtenteils falsch: Hier werden musikalisch andere Wege beschritten, Grenzen ausgelotet und Gitarren heben in andere, effektvollere Spähren ab. Genau zu beschreiben, in welches Genre sich „Aphelion“ einordnen lässt fällt schwer. Bereits der Opener „Conversation Rotten Soil“ und der zweite Titel „Blue And Wood“ sind gezeichnet von Balanceakten zwischen fragilen Melodien und atmosphärischen Riffs. Post-Metal? Post-Hardcore? Mathcore? Wo auch immer man es einordnen mag, „Aphelion“ begeistert bereits von Beginn an durch eine enorme Vielschichtigkeit.

Sich komplett von ihren Wurzeln loszulösen gelingt aber auch den Mitgliedern von Orbit The Earth nicht: In „Arson As An Option“ hört man unverkennbar die Hardcore-lastigen Riffs heraus, auch wenn man wieder und wieder in progressive Strukturen abdriftet. Besonders der Sound von Orbit The Earth lässt doch oftmals Erinnerungen an spätere Veröffentlichungen der vorherigen Projekte der Bandmitglieder wach werden, beispielsweise an die Zerbrechlichkeit und Progressivität, die Ritual auf ihrem letzten Album „Paper Skin“ an den Tag legten.
Unterlegt werden die Songs immer wieder mit Samples aus der Raumfahrt, wie zum Beispiel von der Apollo 11 Mission aus dem Jahr 1969 in „Arson As On Option“ oder „Fading Transmission“, die immer wieder dezent auf den Bandnamen und den Titel der LP verweisen.
Besonders erwähnenswert ist das knapp zehnminütige ,„Survive The Night“, welches sich nach einem absolut sphärischen Intro immer weiter aufbaut, bis der Song sich am Ende, durch einen sludgigen Bass getrieben, weiter und weiter ausbreitet, aber nie vollkommen im Raum aufgeht oder gar explodiert. Gepaart mit mal verträumten, mal persönlichen Lyrics ergibt sich auf „Aphelion“ ein durch und durch stimmiges Gesamtbild.

Orbit The Earth vereinen auf „Aphelion“ nicht nur die Stärken der vorherigen Projekte der Bandmitglieder, denn man merkt sofort, dass hier eine enorme musikalische Erfahrung zusammenkommt, sondern auch die musikalische Versiertheit des Botch‘schen Metal-/Mathcore und die atmosphärische Härte des Isis‘schen Post-Metal.
Die Platte ist also nicht nur für diejenigen empfehlenswert, die zu viel 2001: Odyssey im Weltraum geguckt haben, sondern auch für alle, die auf progressiven (Post-)Hardcore stehen.
Absolut hörenswert und für ein (Debüt)album überdurchschnittlich gut.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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