Ovlov – TRU

Album TRU
Band Ovlov
Musikrichtung Indie, Punk
Redaktion
Lesermeinung
7

Wir alle kennen den jungen Ovlov. Menschen wie ihn gibt es an jeder Ecke, als Millenial-Abziehbildchen quasi: Hochtalentiert, aber mit wenig klassischer Disziplin gesegnet, ständig gefangen im ambivalenten Verhältnis zwischen seinen eigenen Weg gehen und einen Platz finden in dieser (musikalischen) Welt.

Was der Ovlov soundtechnisch so in der Lage ist, aufs Parkett zu legen, strotzt nur so von künstlerischem Talent und einer inhärenten Energie, die ihm jede Tür in der heutigen Musiklandschaft zu öffnen verhelfen könnte. Wenn, ja wenn, der Ovlov denn auch Bock hat. Die Motivation nämlich, die geht ihm häufig ab. Ans Hinschmeißen denkt er beinahe ständig, verschwindet zwischendurch auch gerne mal längere Zeit komplett von der Bildfläche. Der Stress des Bandalltags wird ihm schnell zu viel. Und so kommt unser schon gar nicht mehr ganz so junger Ovlov dann bisher auch nicht wirklich über den Status eines lokalen Helden alternativer Musik hinaus, auch wenn ihn beispielsweise der Basement oder der Superheaven immer wieder mit ins Boot geholt haben, überzeugt von seinem augenscheinlichen Talent.

In die Wiege gelegt bekommen hat er einiges: Der Ovlov schafft es, so gewillt, die sympathische musikalische Spleenigkeit des Kollegen Weezer mit den fuzzy Gitarren neuerer Dinosaur Jr. Releases zu verbinden und dem ganzen ein äußerst hübsches Indie-Punk-Kleidchen überzustülpen. Das gelang ihm auf seinem Debütalbum vor fünf Jahren schon, auf „TRU“ nun aber doch nochmal um einiges besser: Die bis zum Anschlag verzerrten Gitarren verschmelzen zu einem angenehm warmen musikalischen Tagtraum, der es versteht, gleichermaßen treibend wie immer wieder gedankenverloren zu agieren. Auch wenn einige Songs wie der Opener „Baby Alligator“, das herausragend aufgelöste „The Best Of You“ oder „Stick“ auch wunderbar für sich alleine stehen können, so überzeugt vor allem das Gesamtbild als einzigartig, durchdacht und mitreißend.

Am Ende ist der Ovlov vor allem „TRU“ zu sich selbst geblieben und hat letzlich sein Ding durchgezogen, in dem er nichts durchgezogen hat. Und es lässt sich festhalten: Gebt ihm alle Zeit, die er braucht, arrangiert euch mit seinen Eskapaden und lasst ihn sich in seinem Tempo entfalten. Denn im Sinne von „TRU“ wird mehr als deutlich: Sein musikalisches Output wird es wert sein.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
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