Parkway Drive – IRE

Album IRE
Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Im Vorfeld zum Release von „Ire“ wurden sich in den sozialen Netzwerken ordentlich die Köpfe eingehauen. Auf der einen Seite standen diejenigen, die sich für den neuen Parkway Drive Sound begeistern konnten, auf der anderen Seite die Fraktion, die dies eben nicht konnte.

Das nunmehr fünfte Studioalbum der Jungs aus Byron Bay bringt definitiv den krassesten Stilwechsel der 12-jährigen Bandgeschichte mit sich. Angst haben, dass Parkway Drive bald als Support für Nickelback auftreten, muss man aber definitiv nicht. Natürlich klingt „Ire“ nicht wie „Killing With A Smile“ und wer die Platte mit der Hoffnung auf ein Breakdown-Gemetzel a la „Boneyards“ ins Laufwerk legt, wird bitter enttäuscht. Parkway Drive zeigen hier aber, dass sie keine ultra-brutalen Breakdowns brauchen um den Hörer in den Bann zu ziehen. Jeff Ling rückt mit seiner Gitarre weiter in den Vordergrund und, wie vorab angepriesen, versucht Winston McCall ein Stück weit menschlicher zu klingen.

„Es gibt zwei Lichtpunkte auf dem Album“, sagte der Sänger in einem Interview zu „IRE“ und die Platte lässt hörbar Taten folgen: „Vice Grip“ und „A Deathless Song“ sind zwei sichere Häfen voller Hoffnung auf einem dunklen und finsteren Album, das seinem Namen („Ire“, dt.: Zorn) alle Ehre macht. Denn „IRE“ rechnet mit der Menschheit schonungslos ab. „We scar the earth to spite the sky/ Then burn the trees to feed our fires/ We are the blind leading the damned“. „Dying To Believe“ fasst es zusammen: „Because it’s a sick fucking world in a sick fucking time“.

Parkway Drive – Crushed (Official Video) from ambitious.films on Vimeo.

Und es gibt auch ihn – diesen Moment in dem sich alle Energie bündelt, das Lied sich aufbäumt, Winston dem Hörer mit einem teuflischen Laut das Wort „Unbreakable“ ins Gesicht rotzt und sich der Song in einen stampfenden Breakdown verwandelt. Letztlich ist dies aber keineswegs die einzige brutale Stelle auf „IRE“. Auch ohne die Breakdown-Festivals der Vorgänger fliegen hier ordentlich die Fetzen. Ein Highlight der gänzlich anderen Art ist „Writings On The Wall“, das direkt zu Beginn mit erhabenen Streichern grüßt. Was folgt, ist eine Reise in nahezu magische Soundkulissen. Zu den Streichern gesellen sich sachte Pianoklänge und verbinden sich mit harmonierenden Vocals, die man so von McCall garantiert noch nie gehört hat. Das Ergebnis: Eine Atmosphäre, die sich kaum übertreffen lässt.

Parkway Drive haben sich weiterentwickelt und zeigen, dass man im Metalcore noch lange nicht alles gehört hat. Das Album klingt frisch und neu, aber gleichzeitig immer nach den Veteranen aus Down Under – ein absolutes Brett!

Text: Joshua Claassen

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