Petal – Magic Gone

Album Magic Gone
Band Petal
Musikrichtung Pop, Indie
Redaktion
Lesermeinung
8

Ehrlichkeit kostet manchmal viel Überwindung. Vor allem dann, wenn es darum geht, mit sich selbst ehrlich zu sein. Genau davon handelt „Magic Gone“, das zweite Album von Kiley Lotz, der Stimme hinter Petal, welches in diesen Tagen über Run For Cover Records erscheint.

„Magic Gone“ spiegelt einen wichtigen Abschnitt des Lebens der gebürtigen New Yorkerin wieder. Das Album handelt nicht nur von ihrer Entscheidung, eine Psychotherapie zu beginnen, sondern auch von ihrem Coming Out als queere Person und all den Veränderungen, die dieses mit sich gebracht hat. Die Einsicht nämlich, dass sich in ihrem Leben etwas ändern musste und damit einhergehend Hilfe in Anspruch zu nehmen, war die besondere Motivation, welche sich für Lotz hinter „Magic Gone“ verbirgt:

„I had to make some very big life changes to make sure I didn’t die. It was not easy taking that level control over my life after spending many years worrying about upsetting others and being the best and most successful person I could be.”

So geht es beispielsweise in „Comfort“ darum, dass Unsicherheit und Selbstzweifel die stärksten und stabilsten Beziehungen zerbrechen können, während „Tightrobe“ das Scheitern beschreibt, geliebten und nahstehenden Menschen ehrlich gegenüberzutreten, wenn man nicht einmal ehrlich mit sich selbst sein kann: „The truth is just a piece of coal dressed as gold.”

Während die ersten fünf Songs auf „Magic Gone“ die Probleme und Schwierigkeiten in Kiley Lotz‘ Leben vor ihrem Comic Out und der Therapie thematisieren, sind die abschließenden Tracks wie eine Katharsis: Textlich weniger schwermütig zeugen sie von einem Neubeginn und einer Erlösung von der Last, die auf Lotz’ Schultern lag.
Die Produktion von Will Yip ist dabei so pur und zurückhaltend, wie es nur geht: Songs wie „Comfort“, „Stardust“ oder „Something For Me“ brauchen nichts weiter als eine Gitarre bzw. ein Klavier und die Stimme von Kiley Lotz, um sich in ihrer kompletten und schlichten Schönheit entfalten zu können. Selten klangen Zurückhaltung und Ehrlichkeit so gut. Dem gegenüber stehen mit „Better Than You“ und dem Titeltrack „Magic Gone“ poppige Indie Rock-Songs, wie sie Hop Along oder Tigers Jaw nicht besser machen können.

In einer Zeit, in der weibliche Singer-Songwriterinnen wie Julien Baker oder Phoebe Bridgers die Herzen der Menschen gewinnen, kommt Petal mit einem verzaubernden Album daher, welches den Spagat zwischen poppigen Melodien, persönlichen Texten über das Erwachsensein und das vor allem in den sozialen Medien allseits präsente Thema Mental Health mit einer Leichtigkeit schafft, die „Magic Gone“ mit Sicherheit zu einem der besten Indie-Alben diesen Jahres machen wird. Für Lotz selbst war das Schreiben von „Magic Gone“ in den vergangenen drei Jahren seit ihrem Debüt „Shame“ wohl die beste Therapie. Und so fantastisch wie das Album klingt, kann man ihr nur dafür danken.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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