Petrols Girls – The Future Is Dark – EP

Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
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Um die #metoo-Bewegung ist es ruhig geworden. Das mag am abnehmenden Interesse der Medien oder auch an dem der breiten Öffentlichkeit liegen. Für die Petrols Girls ist das kein Grund nachzugeben. Sie kämpfen gegen das Vergessen und für das, was ihnen zusteht. Mit ihrer neuen EP „The Future Is Dark“ bringen sie ein für viele unangenehmes Thema zurück auf die Tagesordnung – und das mit Wucht.

„I’m not a victim. I survived. It was my anger that kept me alive.“

„Survivor“ bereitet den bestmöglichen Einstieg in die drei Songs umfassende neue EP der Post-Hardcore-Band aus dem UK, transportiert der Track doch alle Trademarks, die schon ihren Erstling „Talk Of Violence“ zu einem gefeierten Manifest der feministischen Bewegung gemacht hat. Sängerin Ren Aldridge schreit und keift sich die Seele aus dem Leib, verfällt in Monotonie und holt im nächsten Moment zum großen Schlag aus. Diese Frau lebt wirklich, was sie singt. Dazu die unbändige Spielfreude der Band, die zwischen At The Drive-IN und aufgebrachten Tubelord einen dichten Soundteppich webt, der regelmäßig durch die angriffslustigen Lyrics, die wie ein unnachgiebig eingesetzter Teppichklopfer wirken, aufgemischt wird. Hier brennt man noch für das, was man tut.

„Sister“ zeigt die Petrol Girls dann von einer ungewohnt soften Seite und besticht mit rührendem Backing-Choir. Einfühlsam singt sich Ren Aldridge durch die Liebeserklärung an ihre Mitstreiterinnen, die ihr den Rückhalt geben, den sie in ihrem Alltag braucht („I would be lost without sisters.“). Und fast ganz nebenbei offenbart die Frontfrau, welche einfühlsame Sängerin in ihr schlummert, was im nächsten Moment allerdings schon wieder vergessen scheint, wenn Aldridge zum Finale wieder zu gewohnter Form aufläuft. „Sister“ ist ein Statement für die wichtigen Dinge im Leben einzustehen: Freundschaft, Solidarität und Liebe.

Den Abschluss bildet das mit bestechendem Gitarrenspiel auftrumpfende „Strike“, dass zu mehr politischem und gesellschaftlichem Engagement aufruft. Benannt hat die Band ihre EP nach einem Zitat von Virginia Woolf, das Rebecca Solnit als Einstieg für ihre Abhandlung „Woolf’s Darkness“ gewählt hat. Ren Aldridge schwärmt davon, wie die Autorin dazu aufruft, Ungewissheit zu akzeptieren und die dunkle Zukunft nicht zu fürchten. Wir wüssten ohnehin nicht, was als nächstes passiert. Nachdem die Band „Talk Of Violence“ noch selbst produziert hatte, holten sie sich für die EP Verstärkung durch Peter Miles (u. a. Apologies, I Have None, Tigress, We Arte The Ocean), der die Platte zusammen mit der Band in den Middle Farm Studios aufgenommen hat. Dabei hatte der Sound auf dem Debüt auch nicht zu wünschen übrig gelassen. Alles in allem hat die hier alles richtig gemacht.

„I’m not so fragile. I already broke. Can’t make me shut up if I already spoke.“

Die Petrol Girls kämpfen weiter – und das im besten Sinne sowie um ein paar ruhige Facetten reicher. Ihr Sound ist genauso zwingend wie ihre Message. Denn diese Band macht Musik, bei der man viel öfter einfach viel genauer hinhören sollte. Allerdings wären ein paar mehr Songs auch schön gewesen. Dafür kann man sich jetzt schon auf ein hoffentlich zweites Album der Band freuen.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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