Pianos Become The Teeth – The Lack Long After

Musikrichtung Post-Rock, Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Über die Jungs aus Baltimore und ihr neues Werk wurde in letzter Zeit ganz schön Wind gemacht. Nach den gefeierten Veröffentlichungen der Kollegen um Touché Amoré und La Dispute wurde ihre neue Scheibe im Jahr der „The Wave“-Bands wohl am sehnlichsten erwartet. Ein „Old Pride II“ werde es aber nicht geben. Soviel hatte die Band vorab schon mal versprochen. Die Songs sollten dunkler und heftiger sein. Ob das neue Album „The Lack Long After“ wohl hält, was es verspricht? Die Spannung steigt!

Bereits ab den ersten Takten besteht kein Zweifel mehr daran, dass „The Lack Long After“ ein höchst emotionales Album geworden ist. Zuständig für die gequälten Schreie ist noch immer Kyle Durfey. Er legt mit seinem Schaffen am Mikro nicht nur eine wahnsinnige Authentizität an den Tag, sondern hievt seine Schreie nochmals auf eine ganz neue Ebene. Überzeugender klang Wut und Verzweiflung schon lange nicht mehr. Aber wenn wundert das, verarbeitet er doch die schmerzhafte Erfahrung, den Vater verloren zu haben. Diese verletzenden Eindrücke hat er in den Texten verewigt. Das berührt und lässt in jeder einzelnen Sekunde mitfühlen. Aber die Band nur auf den Frontmann zu reduzieren wäre bei Pianos Become The Teeth ein unverzeihlicher Fehler, denn Chad McDonald, Michael York, David Haik, Zac Sewell steuern alle ihren großen Teil dazu bei „The Lack Long After“ zu dem zu machen, was es ist. Die Band hat sich weiterentwickelt seit „Old Pride“. Die Songs sind noch ausgefeilter und komplexer geworden. Man räumt der Musik mehr Platz ein und der Gesang verstummt zeitweiße, um den sphärischen Momenten die Bühne zu überlassen. Mehr Melodie und vor allem die ruhigeren Parts haben an Einfluss gewonnen. Das melancholische „Good Times“ lässt durch seinen einfühlsamen Anfang die Schmerzen des Verlusts am eigenen Leib erfahren und wird an Traurigkeit nur noch durch „Liquid Courage“ übertroffen, dass die Band von seiner neuen, ruhigen Seite zeigt. Somit ist es auch kein Wunder, dass Kyle Durfey angefangen hat, einige Parts auf der neuen Platte richtig zu singen. Das abschließende Post-Rock Epos „I’ll Get By“ dürfte wohl jedem Zweifler den Wind aus den Segeln nehmen und bestätigen, dass Pianos Become The Teeth aus der Königsklasse der „Wave“ nicht mehr wegzudenken sind.

Pianos Become The Teeth sind wohl die emotionalste Band, die der Post-Hardcore im Moment zu bieten hat. Werden sie auch oft in einem Zug mit Touché Amoré und La Dispute genannt, hinkt dieser Vergleich doch sehr. Vor allem mit letzteren haben die Jungs aus Balitmore relativ wenig gemein. Eher bilden sie eine eigenständige Größe in der ständig wachsenden Szene. Wer dennoch einen Vergleich ziehen möchte, sollte doch eher die Post-Rocker um Envy als Beispiel aufführen. „The Lack Long After“ dürfte diese Vormachtstellung nur noch untermauern und Kyle Durfey ist ein heißer Anwärter auf den Titel des besten Forntmanns des gegenwärtigen Hardcore. „The Lack Long After“ ist eine Elegie aus acht Songs, die das Leben geschrieben hat. Acht Songs auf einem Album, dass ein Herz zu brechen vermag.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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Kommentare

  3 kommentare

  1. Bla

    Mal wieder ast volle Punktzahl. Schaltet die scheiß sterne kacke doch ab.

  2. Andreas Steiner

    Wer das Album gehört hat, wird die Punkteverteilung mit Sicherheit nachvollziehen können. Das sieht man ja auch an der Bewertung durch unsere Leser.

  3. m

    mensch, da habt ihr ja mal schön sterne gekotzt!

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