Pianos Become The Teeth – Wait For Love

Label Epitaph
Musikrichtung Emo, Post-Rock
Redaktion
Lesermeinung
7

Pianos Become The Teeth haben mit ihrem letzten Album „Keep You“ einige Fans gewonnen, aber zweifellos auch ein paar verschreckt. Besonders im cleanen Gesang manifestierte sich die sanftere, subtilere Herangehensweise der Band aus Baltimore, Maryland. Vom verzweifelten wie prägnanten Geschrei der ersten beiden Platten keine Spur. Spannend ist also vor allem die Frage, ob das neue Album „Wait for Love“ diesen Trend fortsetzt.

Frontmann Kyle Durfey ist Vater geworden. Waren es auf den vorherigen Alben vor allem Songs über dramatische Verluste, beschäftigt sich dieses Werk vor allem mit Liebe und allem, was zu ihr gehört: Selbstbewusstsein, Selbstzweifel, Verantwortung, Glück und die Angst, eben jenes zu verlieren. „Charisma“ ist ein Liebeslied in seiner reinsten Form. Die Erzählung, wie Durfeys Partnerin ihn für sich gewinnen konnte, wird getragen von einem positiven, euphorischen, tanzbaren Pop-Song – zweifellos ein Höhepunkt des Albums.

Wer nun allerdings „Wait For Love“ für leichte Kost hält, wird sich wundern. Pianos Become The Teeth bleiben Meister der Melancholie, wenn auch mit deutlich subtileren Mitteln als noch zu ihrer Anfangszeit. Das unkonventionelle Schlagzeug-Spiel von David Haik sticht da besonders hervor. Die Rhythmen sind offensiv, ohne aufdringlich zu sein und verleihen den sonst eher schweren Stücken eine Dringlichkeit und besondere Atmosphäre („Love on Repeat“). Generell ist „Wait For Love“ deutlich nuancierter als sein Vorgänger. Sänger Durfey fühlt sich hörbar wohler in seiner Art zu singen. Das vermittelt bereits der erste Song „Fake Lightning“, der direkt mit gelungener Falsett-Stimme einsteigt – eine bittere Pille für die Hardcore-Hardliner.

Dabei ist das Album durchweg gut: Pianos Become The Teeth führen ihre musikalische Entwicklung mit „Wait For Love“ einfach konsequent fort. Die Platte bricht selten, wie in der Hit-Single „Charisma“, aus der melancholischen Stimmung aus. Das ist einerseits schade, andererseits auch kein großes Problem: Wer sich derart vielschichtig und abwechslungsreich in diesen Gefilden aufhält, hat trotzdem genug zu erzählen – geduldige und aufmerksame Ohren vorausgesetzt.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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