Polar Bear Club – Chasing Hamburg

Musikrichtung Punk, Hardcore
Redaktion
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Polar Bear Club aus Syracuse im US-Bundestaat New York sind eine ungewöhnliche Band, zumindest ungewöhnlich für das Label bei welchem sie seit diesem Frühling unter Vertrag sind. Bridge 9-Records ist ein lupenreines Hardcore-Label und Polar Bear Club haben zwar ihre Wurzeln im Hardcore, aber ihr Stil hat deutlich mehr Indie und Punkrock inne.
Bereits Ende 2007 veröffentlichte der Fünfer sein erstes Album „Sometimes Things Just Disappear“ über das Label Red Leader Records. Schon damals vielen dem geübten Hörer unverkennbare Ähnlichkeiten zu den Post-Hardcore-Legenden Hot Water Music auf: Die Songstrukturen, die Themen der Texte und vor allem das raue Organ von Frontmann Jimmy erinnern nicht gerade selten an die Band um Mastermind Chuck Ragan. Aber nichtsdestotrotz, Polar Bear Club sind gewiss nicht die zweiten Hot Water Music, denn mit ihrem zweiten Full-Lenght „Chasing Hamburg“ zeigen sie Eigenständigkeit und heben sich immer mehr ab. Das Songwriting ist ausgefeilterer, die Texte tiefgängiger und die Melodien verstrickter. Insbesondere am Anfang des Albums legt die Band ordentlich an Härte im Gegensatz zum Vorgänger zu. „See The Wind“ ist der wohl härteste Song von Polar Bear Club und bietet am Ende sogar einen Gastauftritt von Pat Flynn, (noch) Frontmann von Have Heart. „Living Saints“ wurde bereits auf der Summer Of George EP veröffentlicht, genau wie „Boxes“. Beide Titel fügen sich aber grandios in das melodische Gesamtbild des Albums ein. „Drifting Thing“ ist ein äußerst eingängiger Song, womöglich wurde er von der Band in einem Anlauf geschrieben und wirkt auf den ersten Blick etwas karg, aber es kann ja nicht alles perfekt sein und angesichts von Perlen wie „Light Of Local Eyes“ und dem abschließenden Titeltrack „Chasing Hamburg“ kann man da ruhig ein Auge zu drücken.
Über die gesamte Länge von knapp 31 Minuten weiß das Album aber durchweg zu überzeugen. Polar Bear Club haben mit „Chasing Hamburg“ bewiesen, dass sie sich noch steigern können. Zwar war „Sometimes Things Just Disappear“ stellenweise noch etwas verstrickter, aber da wo „Chasing Hamburg“ gradlinig ist, punktet es durch wunderbares und durchstrukturiertes Songwriting. Es kommt also nicht von ungefähr, das Polar Bear Club in den Vergangenen zwölf Monaten an Bekanntheit gewonnen haben, so schnellten die gespielten Titel der Band auf der Internetplattform Last.fm von knapp Einhunderttausend auf ein Achtfaches hoch. Im Herbst wird dann mit Ruiner und Strike Anywhere durch die USA getourt und hoffentlich dürfen auch wir in Europa bald mit einer kleinen Tour rechnen. Ich für meinen Teil würde mich freuen, denn Polar Bear Club sind eine der sympathischsten Bands die ich kenne. Beide Daumen hoch!

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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