Ponder – Stories

Album Stories
Band Ponder
Label -
Musikrichtung Pop-Punk
Redaktion
Lesermeinung
7

Vier Jungs treffen sich und gründen eine Band – so weit, so gut und eigentlich nichts Besonderes. Doch Manuel Wieslhuber, Michael Buschka, Wolfgang Dutzler und Christian Eder hätten bei der Gründung von JukeboxX Riot im Frühjahr 2013 wahrscheinlich nie für möglich gehalten, zu was sich ihr neues Hobby einmal entwickeln würde. Noch im Gründungsjahr erschien die Debüt-EP „this is no revolt, this is just me“ – roh-kratziger Punkrock, bei dem sich ihr Talent für poppige Melodien allerdings bereits abzeichnete. Auf der zweiten EP „Front Porch Poems“ musste der Punkrock dann immer mehr dem Pop-Punk weichen. Die musikalische Veränderung der Band nahm ihren Lauf und fand im Sommer 2016 schließlich ihren Höhepunkt: JukeboxX Riot wurden zu Ponder. Noch immer dieselben Leute, allerdings mit anderer Musik im Gepäck – und endlich auch mit Debütalbum.

And after all you‘re just a story, it’s up to you if it’s worth to tell”. Ohne Umwege fasst der Titeltrack gleich zu Beginn das größte Markenzeichen des Albums in nur einem Satz zusammen. Es sind die Geschichten, die das Leben schreiben, doch es liegt an einem selber, ob man sich von ihnen auch langfristig beeinflussen lässt – und ob es sich tatsächlich lohnt, sie zu erzählen. Musikalisch ein einziges Crescendo, was sich schließlich mit all seiner aufgestauten Energie in „Sweater“ entfaltet, wo der erste Ohrwurm dann auch nicht lange auf sich warten lässt: „Choose your favourite sweater and pack it in your bag, let’s leave the rest behind and never look back”.

„Sam“ thematisiert dagegen nicht nur die Ignoranz und die Egozentrik der Gesellschaft, sondern dürfte mit „Shame on you, shame on me, shame on everyone, fuck society“ obendrein wohl einigen aus der Seele sprechen. Der Akustik-Track „Anthems“ handelt dagegen von dem Gefühl, wenn die schlimmen Dinge in der Welt auf einmal vor der eigenen Haustür passieren. Von ungefähr kommt der Song dabei gewiss nicht, mussten die Ponder-Mitglieder doch im Sommer 2016 selber miterleben wie das Zuhause, Simbach am Inn, unter extremen Hochwasser zu leiden hatte, Häuser zerstört und Existenzen vernichtet wurden.

Mit ihren Texten erschaffen Ponder Bilder, mit ihrer Musik haben sie direkten Einfluss auf die Gefühlslage – eine Kombination, die bei Weitem nicht jeder Band gelingt. Die Tracks wandeln zwischen flottem, frickeligen Pop-Punk und rauem Punkrock, der spielend leicht auch Teil von „this is no revolt, this is just me“ oder „Front Porch Poems hätte sein können. Neben „Messed Up“ sticht so auch „Fucked Up By Trade” ganz besonders hervor. Pure Ironie dagegen, dass ausgerechnet ein Track namens „Coming Home“ an britischen Pop-Punk erinnert, der auch aus dem Hause Neck Deep hätte stammen können.

„Chewbacca“ und „Vancouver“ sind hingegen schlichtweg Hits. Geht es bei ersterem um die Frage, wie wohl Chewbacca den Tod seines langjährigen Freundes und Weggefährten Han Solo verarbeitet, hat sich „Vancouver“ dem allseits beliebten Thema Liebe und dem dazugehörigen Schmerz verschrieben – allerdings nicht auf diese verkitschte Art, von der beispielsweise Simple Plan so gerne Gebrauch machen. Etwas hat sein Ende gefunden und die Trauer hat eingesetzt und um ebendiese zu bekämpfen versucht man sich zwanghaft nur an die positiven Dinge zu erinnern: „We were dancing in the dark to the playlists in our hearts, like to kids who jump around – turn the silence into sound”.

Doch Ponder wissen, dass es auch einen Grund hat, warum Dinge wie Beziehungen ein Ende finden. Sie wissen, dass es immer auch noch die Kehrseite der Medaille gibt: „There’s looking at you but there’s no looking at me, don’t know if it’s true but there’s something to see. There’s looking at you but there’s nothing to feel”. Selbst altgediente Emo-Bands hätten das sicher nicht besser schreiben können.

Zu den Hits hat es außerdem auch eine Hymne auf „Stories“ geschafft: „I’m Alright“! Scheinen hier für 40 Sekunden die Gitarren und die Drums mehr gegen- als miteinander spielen zu wollen, weiß man, sobald die Vocals einsetzen erst recht nicht mehr, worauf man eigentlich achten soll. Doch aus diesem Durcheinander entwickelt sich zu guter Letzt ein großartig funktionierender Song, bei dem man bei „Come on and take me down to the river“ nur „Nehmt mich bitte mit!“ schreien möchte. „…And After All“ knüpft darauffolgend mit „And after all you’re just a story, it’s up to you if it’s worth to tell” wieder gekonnt an den Opener an und ist somit nicht nur das Schlusslicht des Manifests, sondern irgendwie auch wieder der Anfang.

Ponder ist keineswegs ein anderes Projekt als JukeboxX Riot. Es ist die sehr positive Weiterentwicklung. Und Ponder das Beste, was Pop-Punk-Deutschland derzeit zu bieten hat!

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

Hinterlasse einen Kommentar