Propagandhi – Failed States

Label Epitaph
Musikrichtung Hardcore, Punk, Metal
Redaktion
Lesermeinung
7

2012. Die Welt gerät mehr denn je aus den Fugen. Europa von der Krise gebeutelt, in Russland werden drei Punksängerinnen für einen Kurzauftritt ins Arbeitslager geschickt und auch sonst brennt es an allen Ecken und Enden. Propagandhi betiteln ihr sechstes Studioalbum „Failed States“. Ein Statement ansich.

„Live your life and don’t apologize to the cowards of this world, they’re a waste of time.“

Gut drei Jahre sind vergangen seit „Supporting Caste“. Vor der Veröffentlichung überschlugen sich die Fachblätter beinahe. Die große Frage war, ob Propagandhi nach dem Ende der Ära Bush überhaupt noch etwas zu sagen hätten. Das Feindbild der erneut politisierten Punkszene war Geschichte. Das „Gute“ hatte gesiegt. Die USA hatten den „Change“ und politischer Punkrock keine Grundlage mehr. Doch „Supporting Caste“ strafte alle Vorurteile Lügen. Propagandhi hatten noch immer viel, was ihnen auf der Seele brannte, gingen mehr ins Detail, wurden nachdenklicher und bereicherten ihren Stil um neue Facetten. Nach melodischer Hardcoresatire („How To Clean Everything“), markerschütternden Hasstiraden („Today’s Empires, Tomorrow’s Ashes“) und den komplexeren, rockigeren Songs auf „Potemkin City Limits“ folgten Metalelemente in den Kosmos der Band. Diese werden auf ihrer neuen Platte konsequent ausgebaut. Dennoch ist „Failed States“ viel mehr und wie jedes Album der Band absolut eigenständig. Kurz gesagt vereint der neue Longplayer alle Stärken des Quartetts in sich, ohne sich dabei als Abklatsch zu präsentieren. Da sind die kurzen Hardcorebrecher („Hadron Collision“), die melodischen Punktracks („Things I Like“) und die komplexen Lieder mit Soli, Tempowechseln und den bestechenden Texten („Lotus Gait“). Aber die Band ist weiter gewachsen.

„29 years in human history: the total duration of time without war.“

Propagandhi sind noch immer unzufrieden und werden nicht müde es der Welt zu verkünden. Dennoch ist „Failed States“ kräftiger, sperriger, düsterer. Die Alben der Wahlkanadier erscheinen rückblickend wie Lebensabschnitte und so zeigt sich „Failed States“ zynischer und unnahbarer. Die Platte nähert sich nur langsam, Takt um Takt. Propagandhi zeigen sich irrsinniger („Status Update“), aber auch persönlicher („Note To Self“), als auf ihren Vorgängern und wenden sich erneut den tieferen, komplizierteren Themen unserer Tage zu, wie die beispielsweiße noch immer verbreitete Homophobie (Wie in „Cognitive Suicide“ das Eudy Simelane und Caster Semenya gewidmet ist). Anfangs mag man sich mit diesem Album allein, verlassen und überfordert fühlen. Was es wirklich für einen bereit hält, offenbart es nur langsam.

„I try not to live in fear and I’m truly grateful for every happy moment here.“

„Failed States“ bietet keine Hymnen, die ins Ohr gehen. Auf „Failed States“ finden sich keine Parolen, die man auf Wände sprühen oder auf T-Shirts drucken könnte. Dennoch schaffen es Propagandhi auf „Failed States“ wieder aufzurütteln, zu verunsichern und zum Nachdenken zu animieren. Eine Platte die mit der Zeit wächst, gedeiht, berührt.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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