Radio Havanna – Utopia

Album Utopia
Musikrichtung Punk, Pop-Punk
Redaktion
Lesermeinung
8

Wie viel Pop verträgt der Punk? Als Radio Havanna vor nunmehr fast drei Jahren ihr Album „Unsere Stadt brennt“ veröffentlicht haben, war das die Frage aller Fragen. Kein Wunder also, dass sich die vier Männer im Zuge der Entstehung ihres neuen Werkes „Utopia“ zunächst ausgiebig mit der eigenen Band-Identität beschäftigt haben. Was wollen sie machen? Was macht die Band überhaupt aus? Was ist der rote Faden? „Utopia“ ist so eine sehr natürlich wirkende Kombination aus Persönlichem und Politischem, aus angenehmen Melodien und Punkrock geworden.

Opener und Titeltrack beginnt dabei mit einem ausgiebigen, sich immer weiter aufbauenden Intro, wobei sich das schleppende Midtempo konsequent durchzieht. „Wir stecken Herzen in Brand mit Utopien, die zu lang niemand glauben wollte“, singt Frontmann Christian „Fichte“ Fichtner.

Zerbrochenes Schaufensterglas, dahinter Träume von gestern im Staub. Jetzt sind wir da und hier ist nichts mehr wie es war – Willkommen in Utopia!

„Faust hoch“ ist dagegen ihr klarer Ausspruch gegen Menschenfeindlichkeit, Rassismus und vor allem gegen die AfD. Bereits vor einigen Monaten haben sie den Song als ersten Output vorgestellt, doch gerade mit der Vorstellung ihrer gleichnamigen Kampagne für Schlagzeilen gesorgt. Ihr Zeichen, dass Bands wie ZSK, Slime, KMPFSPRT und eben auch sie selber sich gegen rechtes Gedankengut aussprechen – für diejenigen, die es bis dato vielleicht noch nicht begriffen haben. Die allzu präsente Gefahr im deutschsprachigen Punk schnell ins Plakative abzudriften, konnten Radio Havanna auf „Utopia“ glücklicherweise umgehen. Manchmal allerdings auch nur knapp. Stößt bei „Homophobes Arschloch“ bereits der Titel sauer auf und lässt das Schlimmste vermuten, ist es textlich eher eine Hommage an „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten. „Du bist ein homophobes Arschloch, doch tief im Herzen bist du süß. Onkelz auf dem Heck, aber Britney auf den Ohren […] du fährst nach Haus‘ zu deiner Claudi, doch du wärst lieber bei Klaus“, heißt es dort – der augenzwinkernde Konter an Machos und Prolls.

Ein lyrisches Meisterwerk haben Radio Havanna zwar auch mit „Utopia“ nicht abgeliefert, dafür aber eines, das man der Truppe abkauft. Es lohnt sich durchaus, hin und wieder mal auf die Texte zu hören. Das Quartett hat sich überlegt, was ihre Band ausmacht, was sie inspiriert, und die Antwort darauf war simpel: Die Bands, durch die sie selber zum Punk gekommen sind. The Offspring und Green Day beispielsweise. Musik, die in erster Linie Spaß macht. „Utopia“ folgt dieser Linie. Gerade live wird das definitiv funktionieren.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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