Rancid – Trouble Maker

Band Rancid
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
7

Die Punk-Fraktion darf aufatmen: Nach den zwei Ausrutschern “Let The Dominoes Fall” und „Honor Is All We Know“ besinnen sich die Altmeister um Rancid zurück auf ihre wahren Stärken und holen mit „Trouble Maker“ zum Rundumschlag aus.

Die Mohawks weichen langsam einer pflegeleichteren Frisur (nämlich gar keiner), die Stimmen machen nicht mehr jeden Höhenflug und Wutanfall mit und auch die Tattoos sehen nicht mehr ganz so frisch wie zu Zeiten von „…And Out Come The Wolves“ aus. Aber Rancid wären nicht Rancid, würden sie sich darum scheren. Was hingegen nicht verblasst, scheint die Kreativität des Kollektivs zu sein. Seit 1991 mischt die Band um die beiden Masterminds Tim Armstrong und Lars Frederiksen, unterstützt von Ausnahmebassist Matt Freeman und Schlagzeuger Branden Steineckert jede Subkultur auf, die sich ihnen in den Weg stellt.

Leider schien die Band zuletzt jedoch ziemlich eingefahren und lieferte mit den letzten beiden Alben eher mittelmäßige, was im Fall von Rancid heißen muss katastrophale Platten ab. Die gute Nachricht folgt mit „Trouble Maker“. Eingeschlossen im Proberaum kommen Rancid jetzt mit 19 frischen Punk-Hymnen zurück und strafen alle Lügen, welche die Jungs schon am Ende ihres Weges sahen. Rancid haben ihre Durststrecke überwunden, turnen wieder fröhlich zwischen den Genres und spucken jedem ins Gesicht, der ihnen daraus einen Strick drehen möchte. Und dass am liebsten in aller Öffentlichkeit: Wer immer schon mal wissen wollte, wie so ein Rancid-Album entsteht, für den haben sich die Jungs in ihre Garage gestellt, das komplette Album durchgespielt und das Video nach alter Working-Class-Manier kostenlos auf YouTube gestellt.

In den Texten bewegen sich Rancid wie gewohnt zwischen politischen und sozialkritischen Themen, schreiben aber auch noch immer Songs, die jedem Street Punk („Ghost of a Chance“), Skinhead und Rude Boy („Where I’m going“) oder Mod-Rocker („Telegraph Avenue“) die Knie weich werden lassen. „All American Neighborhood“ hätte genau so auf „Rancid 2000“ und „We Arrived Right On Time“ (auf dem Matt Freeman mal wieder eindrucksvoll zeigt, warum er noch immer einer der besten Bassisten im Genre ist) auf „Indestructible“ seinen Platz gefunden. Derart ausbalanciert waren Rancid seit Jahren nicht mehr.

You don’t understand where I am or where I’ve been or where I’m going. („Where I’m going“)

Rancid berappeln sich und liefern mit „Trouble Maker“ eine Art Werkschau aller vorherigen Alben ab. Ein bunter Mix aus allem, was die Band bis heute geprägt und relevant gemacht hat. Bei den Herren geht das Licht eben erst aus, wenn sie es selbst ausknipsen.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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