Real Friends – Composure

Album Composure
Musikrichtung Emo, Pop-Punk
Redaktion
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Da sind sie wieder, die Real Friends, und machen auf ihrem neuen Album „Composure“ genau dort weiter, wo sie die Hörerschaft mit den Vorab-Alben „Maybe This Place Is The Same And We’re Just Changing“ (2014) und „The Home Inside My Head“ (2016) bereits hingeführt haben. Es geht noch immer um die Gefühlswelt von Sänger Kyle Fasel, denn so oft diese auch schon thematisiert und analysiert wurde, sie bietet weiterhin ausreichend Stoff. Manches wiederholt sich dabei zwar, doch die Herren kopieren sich dennoch nicht selbst, sondern betrachten die Situation aus einem anderen Blickwinkel.

Es ist faszinierend, wie Real Friends es über Jahre hinweg schaffen, interessant zu bleiben, obwohl man ganz genau weiß, was man von ihnen erwarten kann – oder besser: Was man von ihnen aufgetischt bekommen wird. Das Überraschungsmoment existiert bei der Truppe aus Tinley Park, Illinois, nicht, doch man vermisst es auch nicht. Das Attraktive an der Band ist die stetige Sicherheit, die wohl vielen Menschen bei anderen Dingen im Leben fehlt – besonders denjenigen, die sich in den Texten wiederfinden können.

Auf „Composure“ sprechen Fasel und Co. von dem Gefühl, von der Außenwelt nicht richtig wahrgenommen zu werden, von der Traurigkeit und Frustration, die es hervorrufen kann und wegen derer man sich früher oder später schämt. Gleichwohl wollen die Real Friends ihrem Umfeld keine Sorgen bereiten; „from the ouside I seem fine, from the inside I feel sick“, singt der Frontmann in „From The Outside“ beispielsweise.

Es ist nur als positiv zu erachten, dass heute so viele Menschen so sensibel mit dem Thema Mental Health umgehen, doch für Betroffene macht es das nicht immer leichter. Wie schon Josh McKenzie von Apologies, I Have None mit dem Song „Everybody Wants To Talk About Mental Health” ansprach, möchte man nicht immer über seine psychische Gesundheit reden – vor allem nicht mit Leuten, die selber gar nicht wissen, wie es sich anfühlt, wenn die bösen Geister einfach nicht aus dem Kopf verschwinden wollen und man von jedem noch so kleinen Problem niedergedrückt wird. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, dass ein Lächeln auf dem Gesicht kein Zeichen für Wohlbefinden sein muss. Sie appellieren zu noch mehr Wachsamkeit und größerem Verantwortungsbewusstsein.

Wieder einmal kredenzen Real Friends überdurchschnittlich schönen Emo-Pop-Punk. Textlich persönlich, emotional und wichtig und musikalisch mit der hohen Pop-Affinität wunderbar eingängig. Eine absolut logische Ergänzung zum bisherigen Output.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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