Rivershores – Dizzy Lows

Album Dizzy Lows
Musikrichtung Pop-Punk, Punk
Redaktion
Lesermeinung
6

Würden Preise in den Kategorien der besten Song- oder EP-Titel vergeben werden, hätten Rivershores vor zwei Jahren mit Sicherheit gleich beide abgesahnt. Ihr Debüt „Fuck It, Dude! Let’s Get Wasted!“ sticht bis heute allerdings nicht nur auf diese Weise hervor. Auch der kratzige Punkrock und der doch sehr eigenwillige Gesang tun ihr Übriges. Stand derweil die poppige Attitüde auf der EP stets eher im Hintergrund, konnte man sie auf der Bühne kaum überhören. Auf dem Debütalbum „Dizzy Lows“ hat sie nun das Zepter in die Hand genommen und lässt die Band ehrlicher denn je klingen – vielleicht sogar so, wie sie es immer wollte.

Alles Eigene ist dadurch aber nicht schierer Langeweile gewichen. Manche würden die Musik von Rivershores jetzt wahrscheinlich als College-Rock bezeichnen – und würden damit auch gar nicht mal falsch liegen – besser als der Einheitsbrei der frühen 2000er ist „Dizzy Lows“ aber allemal. Das Album ist poppig, ja, außerdem clean und glatt, aber auf die beste Weise, die man sich vorstellen kann, denn von der Band selber ist kaum etwas verloren gegangen. Die Melodien sind noch immer mitreißend und textlich kann man sich ohnehin nicht für nur ein Highlight entscheiden.

Ehrlich und persönlich, aber so formuliert, dass selbst trotz aller Deutlichkeit jederzeit Platz für eigene Interpretationen bleibt – selbst bei ihrem Liebeslied an Kaffee („My Dark Friend“), das rein von der Intention auch von den Descendents hätte stammen können. „A Bedpost, A Beld And A Batman Suit” ist derweil sowohl Nachfolger, als auch Gegenstück zu „If I Was Like Marty McFly I Would Go Back In Time And Beat The Shit Out Of My Mind”. Ein Song, der aufzeigt, dass früher vielleicht doch nicht alles so schlecht war, wie es im Nachhinein scheint, sondern auch außerordentlich gut: „Because if positivity is just escapism to me, the course of time will do its bit. Yeah if you just measure in shit it can’t get better than shit!

Rivershores haben es mit „Dizzy Lows“ geschafft, ein Album zu schreiben, das nicht nur sie selbst beschreibt, sondern auch das ausspricht, was viele zwar denken, sich aber kaum jemand traut, in Worte zu fassen – und sei es nur ob der hohen Kitschgefahr. „What’s Left To Love“ beschreibt so das Gefühl, nur von seinen besten Freunden wirklich verstanden zu werden. Die Dankbarkeit dafür, dass es Menschen gibt, die nicht nur für die guten Zeiten da sind, sondern auch besonders für die schlechten. Für Trost, aber manchmal auch für erbarmungslose Ehrlichkeit und den so notwendigen Arschtritt: „So I flee to some shitty basement with the weirdos, with the geeks and punks. Eager to spill out my heart, ‚cause beside this, there’s so much left to love! Or show me what’s left to love!

Das, was das Album aber tatsächlich so gut macht, sind nicht die Themen oder die starken Texte wie „I hear ‘em whisper and I don’t come off well. I am a liar! I’m descending to hell. I’m a crank, I’m a jerk, and I’m a miserable whelp but at least I am honest with myself” („Sugar Schemes”), sondern das Timing zwischen Musik und Text, die kleinen Momente und Details. Wenn sich die Instrumente für nicht mal einen Herzschlag bei „Ghouls“ zurücknehmen und der Song stärker denn je in den Refrain übergeht. Dass sich „A Bedpost, A Belt And A Batman Suit“ immer wieder auf- und abbaut, dadurch noch mitreißender wird und man schon beim zurückgenommenen Pre-Chorus beginnt, mitzusingen, nur um im Refrain immer lauter zu werden. Oder auch, dass der sich erst nach und nach aufbauende „Hope Is A Beggar“ nicht nur ein absolut stimmiger Nachfolger des mit Abstand ruhigsten Songs „Rain“ ist, sondern zu gleichen Teilen einen tollen Übergang zum lauten „Little Critters“ bildet. Es ist freilich kein komplexes Songwriting, aber ein durchaus wirkungsvolles, kurzweiliges und schlicht und ergreifend Spaß bringendes.

Waren Rivershores noch vor zwei Jahren zumindest auf Platte eine poppige Punkrock-Band mit rotzigen Vocals, sind sie nun zu einer rockigen Pop-Punk-Band mit cleanem Gesang geworden. Den ein oder anderen mag das gerade mit Blick auf so manches aus den 90ern und 2000ern abschrecken, doch sicher ist, dass die Vier selten ehrlicher und mit sich selbst zufriedener geklungen haben. Sie haben sich ihrem Live-Sound angepasst und trotz starker „Fuck It, Dude! Let’s Get Wasted“-EP war das nun wirklich allerhöchste Zeit.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
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