Rogers – Augen auf

Album Augen auf
Band Rogers
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
3

„Augen auf“ fordern die Rogers und lenken sprechen sich gegen Rassismus, Terrorismus und spießbürgergliche Borniertheit aus. Die Frage ist nur, ob der gute Wille und das Anprangern von Missständen schon ein gutes Album machen?

Am besten beginnt man immer mit einem Witz – oder eben einem Zitat. Im Fall von den Rogers bedeutet das, dass Max Liebermann mit seinem Ausspruch „Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen müsste“, herhalten muss. Was darauf folgt ist ein aussagekräftiges Statement, das „Nie euer Land“ zu einem genialen Auftakt und gleichzeitig zum besten Song auf „Augen auf“ macht:

„Denn ihr seid so was von 1933 / Die alte Kacke und schaut wie sie wieder stinkt/ Zeit, dass ihr euch endlich verpisst / Geht zurück in eure Höhlen / Ihr werdet hier niemals vermisst / … / Was für ein widerliches Herz schießt das durch eure Venen / Dass ihr euren Glauben über Menschenleben stellt / Lasst doch den Frauen die Stimme / Und Männer Männer lieben / Ohne dass ihr Bluturteile fällt / Ihr seid doch echt im Mittelalter hängengeblieben / Euer Krieg kann niemals heilig sein / Wenn dafür Köpfe rollen müssen, nehmt doch bitte eure eigenen / Ihr passt in diese Welt nicht rein.“

Die Düsseldorfer reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Und das reißt mit. Gepaart mit ihrem hochmelodischen Punkrock weckt dieser Auftakt hohe Erwartungen auf die weiteren zwölf Songs. Nur leider verliert „Augen auf“ danach an Durchschlagskraft. Das reißt auch die prominente Unterstützung in „Helden sein“ nicht sonderlich raus. Hier assistiert Sebastian Madsen, dessen Mitwirken an eine Mischung aus seiner eigenen Band und den Toten Hosen erinnert – und gerade letzte Referenz zieht sich durch die komplette Platte. Denn immer wenn es etwas ruhiger und getragener wird, klingt Frontmann Chri zunehmend wie Campino; und die Hosen waren ja auch mal ganz groß in Sachen Widerstand. Aber das ist leider schon viel zu lange her und bei den Rogers wirkt das mit zunehmender Spielzeit der Platte weich und kraftlos.

Mit dieser dosierten Revolte und einer Prise bekennender Unangepasstheit speisen die Rogers ihre Lieder, ohne dabei zu sehr auf die Kacke zu hauen. Das macht die Jungs zwar ungemein sympathisch und stärkt die Überzeugung, die sie in ihre Lieder packen aber es wirkt auch pubertär und ohne letzte Konsequenz. Leider klingen die Songs dadurch auch zu beliebig und die Jungs bremsen sich zu Gunsten von zu viel Popappeal immer wieder kräftig aus – und das nervt. Immer wenn sie richtig in Fahrt kommen, nutzen sie den Rückenwind nicht aus, sondern schalten in den Leerlauf. Das führt dazu, dass man bei jedem Song das Gefühl hat, genau diesen schon einmal gehört zu haben – nur eben etwas besser. Und das tut bei dem Potenzial dieser Band schon etwas weh.

Schlussendlich gehen die Rogers mit „Augen auf“ ihren Weg, nur leider klingt das zu beliebig, zu weichgespült und zu einfach. Am Ende krankt die Platte an einer platten Attitüde mit pubertierendem Mittelfinger, die nicht so recht ernstgenommen werden kann. Schade für eine so sympathische Truppe. Die Hoffnung aufs nächste Album bleibt trotzdem.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Gotanda, Tokio(Japan)
Beruf Student
Dabei seit März 2011
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