Russian Circles – Guidance

Album Guidance
Musikrichtung Post-Rock
Redaktion
Lesermeinung
5

Wie ein friedlicher Abend nach einem stürmischen Tag eröffnet „Asa“ die neue Platte des Chicagoer Post-Rock-Kollektivs. Als wären Russian Circles von einer Last befreit worden, präsentiert sich die Band zum Auftakt ihres sechsten Albums gelöst und friedselig. Haben die Rocker etwa ihre Zähne verloren?

Erst der zweite Song „Vorel“ durchbricht die anfängliche Idylle. Jetzt weiß man wieder genau, wo man sich gerade befindet. Richtig: bei Russian Circles. Die spielen mehr denn je mit Stilrichtungen, loten ihre Grenzen aus und verlassen sich wieder mehr auf ihre Stärken, denn auf elektronische Spielereien. Sie wissen Elemente des Metal, Noise-Rock, Krautrock und Post-Hardcore so durchdacht in ihre Musik einfließen zu lassen, dass sich alles zu ihrem eigenen, unverkennbaren Sound fügt. Immer getrieben vom unermüdlich ackernden Schlagzeuger Dave Turncrantz. Der peitscht Gitarrist Mike Sullivan und Bassist Brian Cook wieder und wieder nach vorn. Treibt an. Schraubt sich selbst zu Höchstleistungen empor. Eine erdrückend geniale instrumentelle Übermacht.

Diese Machtdemonstration lässt es schwer fallen, die Guest-Vocals von Chelsea Wolfe vom letzten Album zu vermissen. Russian Circles zeigen: Große Musik braucht manchmal nur wenige Worte – ihre überhaupt keine. Die Übergänge zwischen den Songs sind fließend. Nichts soll den Fluss der Musik unterbrechen. Keine Barrieren zwischen den Stücken sind erwünscht. „Guidance“ erklimmt die obersten Bergkämme aus Gitarren-Gefrickel, um sich im nächsten Moment in tiefe Schluchten aus Doom und Noise zu brettern. Ein Höhenflug der gegen Ende im atmosphärisch dichten „Lisboa“ endet. Mitverantwortlich für diese wahnsinnige Reise: ein alter Bekannter. Auf Anhieb ist die Handschrift des Co-Produzenten gar nicht auszumachen – dabei handelt es sich hier um keinen geringeren als Converges Kurt Ballou. Er kleidet die Songs in genau das richtige Gewand aus Härte und Gefühl.

Mit „Guidance“ liefern Russian Circles ihr stimmigstes Album ab. Eine nahtlose Führung durch die Bandbreite des selbst kreierten Sounds. Brachial, virtuos und einfühlsam. Sieben Songs, die Post-Rock-Fans sich nicht entgehen lassen dürfen.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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