Secrets – s/t

Band Secrets
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5

Mit ihrem Selft Titled-Album wollen Secrets ihren Sound endlich gefunden haben. Dazu haben sie sich mit Made In The Shade Records auch gleich ein neues Label gesucht. Das ist zwar deutlich kleiner als ihre alte Heimat Rise Records und existiert auch erst seit 2015, scheint im Gegenzug aber mehr Raum zur freien Entfaltung zu bieten. Denn tatsächlich – Secrets klingen nicht nur noch ein bisschen poppiger als auf dem Vorgänger, was wie üblich für Verärgerung und Begeisterung gleichermaßen sorgen wird. Sie haben sich auch mehr einfallen lassen. An dem Verhältnis zwischen gehouteten und cleanen Passagen hat sich in erster Linie gar nicht so viel getan. Vielmehr haben Secrets an ihrer weichen Seite geschraubt, ihr mehr Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert verliehen und teils mit mehr positiver Pop-Punk Energie versehen.

Da wäre die potentielle Live-Hymne „Incredible“, die mit zuckersüßem Refrain Teenager-Herzen hinwegschmelzen lässt. Oder „Strangers“ und „Last Time“, die mit Gangshouts und munteren Sing-Alongs zum Entern der Bühne einladen. Wer hingegen in Erinnerung an das allererste Werk schwelgen möchte, dem sei „Five Years“ ans Herz gelegt.

Ganz ohne Lückenfüller kommt auch dieses Album aber leider nicht aus. Das ist nicht optimal, bei 13 Stücken aber verschmerzbar. Trotzdem hätte man zwei, drei Songs problemlos weglassen können – „Let Me In“ zum Beispiel, das selbst hartgesottete Romantiker auf die Probe stellen dürfte. Denn Zeilen wie „I’m knocking at your heart’s door / Let me in, let me in / I wanna breathe your fire again“ triefen dann doch ein bisschen arg vor Kitsch. Dass für „Chemical Reaction“ ähnliches gilt, muss bei dem Titel wohl nicht näher erläutert werden.

Umso ernster und trauriger ist „3.17.16“, in dem Gitarrist und Sänger Richard Rogers den Tod seiner Schwester verarbeitet. Den lebensverändernden Anruf bekam Rogers ausgerechnet an seinem Geburtstag: „Happy birthday kid, unwrap your gift / But your dismissal wasn’t on my list“. Auch „Fourteen“ schlägt ernste Töne an und thematisiert die Verzweiflung und Überforderung, die über ein Kind hereinbricht, dessen eigene Familie auseinanderfällt: „Have you ever been left alone in a broken home? / Have you ever had to mediate for your parents’ sake?”.

Der Labelwechsel scheint Secrets gut zu tun. Die Band erfindet sich hier freilich nicht neu, bricht aber doch ein Stück weit aus alten Mustern aus und wirkt fast ein wenig befreit von alten Zwängen. Das Ergebnis macht Laune und ist wie gemacht für einen sonnigen Warped-Tour Nachmittag.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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