Self Defense Family – Have You Considered Punk Music

Musikrichtung Indie
Redaktion
Lesermeinung
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Investiert man nur genug Mühe und Zeit, kann man sich früher oder später in alles reinhören, was die Musikwelt so hergibt – ob man davon nun auch selber Fan ist oder nicht. Man kann Entwicklungen heraushören, besondere Ticks oder Faible von Bands oder auch ganz einfach, welche Gruppe welche Spielarten gekonnter umzusetzen weiß. Bei der Self Defense Family ist das etwas komplizierter. Zum einen, da ihre Musik das Alleinstellungsmerkmal ist und zum anderen, weil eben dieses Alleinstellungsmerkmal eigentlich immer gleich aussieht.

Die Band besteht aus mehr als einem Dutzend Mitglieder, wobei die Besetzung ständig variiert – je nach Bedarf und Verfügbarkeit. Man könnte annehmen, regelmäßige Wechsel und neue Kombinationen brächten eine gewisse Abwechslung ins Spiel, doch fehlgeschlagen: Um „Have You Considered Punk Music“ zu beschreiben, könnte man genauso gut auch die Rezension von „Superior“ nehmen und lediglich die Songtitel austauschen. Seit Jahren klingen die Musik absolut repetitiv und eine wirklich aussagekräftige und adäquate Beschreibung aufs Papier zu bringen, gleicht einer Mammutaufgabe, weil es eben kaum etwas gibt, was man beschreiben könnte. Das Repertoire von angebrachten Adjektiven und Synonymen ist bereits nach kürzester Zeit aufgebraucht.

Wieder einmal verschmelzen auf „Have You Considered Punk Music“ Instrumente und Gesang miteinander und kreieren mit ihrem stetig ruhigen, gleichbleibenden Charakter schnell eine Art Trance, ganz ähnlich dem Moment kurz vor dem Einschlafen. Es ist, als würde einem ein dickes, flauschiges und mit Chloroform getränktes Kissen ins Gesicht gedrückt werden und man in einen langen, tiefen Schlaf fallen, aus welchem man zumindest während der Spielzeit des Albums nicht erwachen kann und wird. Dornröschens Spindel in musikalischer Form.

Es wäre mit Sicherheit einfacher, die Self Defense Family in Worte zu fassen, wäre dies erst ihr zweites oder drittes Werk und keines der vielen Dutzend. Die Band hat ihre Marke etabliert und durch ihre vielen Mitgliedern lebt diese es öfter aus als andere. Schön für sie, langweilig für den Hörer, denn die Truppe weiß inzwischen nicht nur schnellstmöglich neuen Output zu veröffentlichen, sondern ebenso schnell die Spannung verschwinden zu lassen. „Have you considered punk music“ fragen sie. Have you considered anything special or interesting möchte man entgegnen.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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