Sick Of It All – Wake The Sleeping Dragon

Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Das Genre Hardcore ist äußerst vielfältig. Gefühlt gibt es wohl tausend Untergliederungen und Abarten. Jede für sich ist ein Anhören wert und selbst als Hardcorefan ist es nicht möglich, alle zu kennen, geschweige denn zu mögen. Bei vielen Bands, die schon seit 25 oder mehr Jahren dabei sind, ist es aber meistens so, dass sie einen fließenden Übergang vom Punkrock zum Hardcore bewerkstelligt haben und das ist auch heute noch so.

Im Speziellen sprechen wir über Sick Of It All. Vier Jahre nach dem letzten Longplayer „Last Act Of Defiance“ kommen Lou Koller, Pete Koller, Craig Setari und Armand Majidi nun mit „Wake The Sleeping Dragon“ zurück und machen da weiter, wo sie immer schon waren. Straighten Old School Hardcore, gepaart mit melodischen Punkrock-Elementen. Schnell, langsam, melodiös, hart – so, wie man die New Yorker eben kennt.

Mit „Inner Vision“ ballert uns auch sofort eine schnelle Hardcore-Punk-Nummer in die Gehörgänge und das darauffolgende „That Crazy White Boy Shit“ gönnt dem Hörer ebenfalls keine Pause. Fette Gangshouts sind bei Sick Of It All bekanntlich immer ein Muss, aber diese sind nicht sonderlich überzogen und auch sehr gut und durchdacht positioniert.

SOIA haben ja schon seit jeher melodische Teile in ihren Songs und Alben, aber so etwas wie „Bulls Anthem“ ist nicht die Regel. Ein melodischer Punksong in absoluter Mit-Sing-Manier, doch auch das steht den Herren durchaus gut zu Gesicht. Positiv hervorheben muss man auch, dass sie seit jeher keine dieser dauernden „We are one family and friendship is the best and all are brothers and we love our unity“-Bands sind. Klar haben sie auch diese Songs parat, aber sie sprechen immer schon deutliche Worte in Richtung von Rechtsextremen und anderen Ausgrenzern. Man merkt einfach, dass ihnen was daran liegt, mit Hilfe ihrer Musik auch zu versuchen, etwas zu bewirken.

Erst recht, wenn man die Songtitel „Robert Moses Was A Racist“ und „Self Important Shithead“ oder „Work The System“ und „The New Slavery“ betrachtet, wird einem schnell klar, dass es um relevante Themen unserer Zeit geht und nicht nur um belangloses Gelaber.

Die Produktion ist derweil natürlich wieder erste Sahne, und das schöne: Auf Unnötiges wird wie üblich verzichtet. Ein paar Gangshouts hier und da sind natürlich vorhanden, aber auf fette Breakdowns im Übermaß und übertriebene Spezialeffekte verzichten Sick Of Ot All eigentlich ja immer schon. Gerade das macht sie sympathisch und ihren Sound passend zu den wirklich glaubwürdigen Aussagen.

So sehr man bei Bands des älteren Semesters, wie zum Beispiel Pennywise, gerne zweifeln kann, ob sie ihre rebellischen Texte auch wirklich im realen Leben durchziehen würden, so kann man es Sick Of It All locker abkaufen. Neudeutsch würde man das wohl als „true“ bezeichnen. Auf jeden Fall sind Sick Of It All zurück und behaupten ihren Platz in der Elite des Genres Hardcore.

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
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