Silverstein – Dead Reflection

Label Rise Records
Musikrichtung Emo
Redaktion
Lesermeinung
3

Silverstein sind schon lange dabei – sehr lange. Als Band haben sie die meisten ihrer Genrekollegen überlebt. Das schlägt sich auch in der Zahl ihrer Alben nieder. Mit „Dead Reflection“ erscheint jetzt der nächste Wurf der Emocore-Veteranen und wirft dabei die Frage auf, wie viel Pop ein Emocore-Album verträgt, bevor das Gesamtbild darunter leidet.

Im Opener „Last Looks“ marschiert die Band noch in Thursday-Manier nach vorne. Ein Auftakt nach Maß ¬ der allerdings nicht lange nachhallt. Denn bei Songs wie dem tranigen „Lost Positives“ erscheinen unwillkürlich Fragezeichen: Ist das noch Emocore oder schon die Bewerbung für den nächstjährigen ESC? Aber es kommt noch „besser“: Warum braucht man in „Retrograde“ diese blankgebügelten Vocals? Was treibt Silverstein zu einer so dick auftragende Ballade wie „Secret’s Safe“? Und ist nicht irgendwann der Teeny-Sound-Bonus aufgebraucht („Aquamarine“)?

Einen unsachgemäßen Umgang mit ihren Instrumenten oder ihren Songs kann man Silverstein selbstverständlich nicht vorwerfen. Das ist alles wunderbar produziert, geht unverschämt gut ins Ohr und hört sich anständig eingespielt an. Nach mehreren Durchläufen wirken die Songs allerdings zunehmend blutleer und arg beliebig zusammengestellt. Es sollte halt für jeden Fan was dabei sein, was „Dead Reflection“ auf Dauer den faden bis nervigen Beigeschmack eines Samplers gibt – so angenehm wie ein klebriger Fruchtkaugummi im Ohr.

Silverstein wollten mit diesem Album offensichtlich niemand zurücklassen und überholen sich dabei selbst. „Dead Reflection“ springt zwischen so vielen Stühlen hin und her, dass der Hörer unweigerlich seinen eigenen Platz aus den Augen verliert. Mehr Eingängigkeit ist leider nicht immer ein Zugewinn.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Gotanda, Tokio(Japan)
Beruf Student
Dabei seit März 2011
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