Simple Plan – Get Your Heart On

Label Universal
Musikrichtung Pop, PopPunk, Rock
Redaktion
Lesermeinung
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Auch mit 19 kann man sich mal alt fühlen. Bei mir sind die Kanadier Simple Plan daran schuld. Ich erinnere mich noch genau, wie ich tausend Mal „how could this happen to meee“ sang, weil „Untitled“ doch so ein wunderschönes Lied war. Oder begeistert den Simple Plan Live-Auftritt mit „Vacation“ hörte, in einem meiner damaligen Lieblingsfilme „New York Minute“. Das komische daran: Beide Songs sind von 2005. 2005! Wir haben 2011! Und Simple Plan gibt es leider immer noch.
Sänger Pierre Bouvier ist mittlerweile stolze 32 Jahre alt, möchte aber anscheinend immer noch die Herzen seiner Fans mit klebrigen PopPunk füllen. Oder auch einfach noch ein bisschen Geld machen. Anders kann ich mir das Release von „Get Your Heart On“ nicht erklären. Idealerweise sollte man Alben aufnehmen, weil man überzeugt davon ist, dass seine eigenen Lieder gut sind. Falls irgendjemand aus der Band tatsächlich die Überzeugung hat, dass in der neu fabrizierten Musik ein Fünkchen Gutes steckt, leidet dieser an heftigen Wahrnehmungsstörungen.
Dabei klang das neue Werk gar nicht mal so schlimm in den Ankündigungen. Mit Natasha Bedingfield hatte man sich für „Jet Lag“ eine talentierte Künstlerin an Board geholt, Rivers Cuomo von Weezer unterstützt bei „Can’t Keep My Hands Off You“ und selbst All Time Low Sänger Alex lässt sich auf „Get Your Heart On“ finden. Dummerweise ist „Jet Lag“ eine Jonas Brothers Hommage, „Can’t Keep My Hands Off You“ klingt wie eine schlechte Version von Blink-182 in ihren schlechten Zeiten und „Freaking Me Out feat. Alex Gaskarth“ erinnert sowieso einfach zu viel an…na was wohl: All Time Low.
Der Rest der Songs ist dann auch einfach zu bieberesk. Rockige Gitarren finden wir natürlich nur am Rande – dabei fanden wir gerade die damals doch alle so unglaublich cool. Stattdessen bekommt man haufenweise Popmusik der allerlangweiligsten und unkreativsten Sorte geboten. Bouvier verkündet lauthals, dass er immer der letzte sein wird, der aufgibt („Last One Standing“) oder auch, dass ein Mädchen in der Liebe ganz schön versagt („You Suck At Love“), das ganze umrahmt von grauenhaft poppig-dancigen Melodien. Da wird einem schlecht. Und klar, man kann den Songtiteln die komplette Aussage der Lyrics entziehen. Wäre ja noch schöner, wenn einem wenigstens die Texte ein bisschen Freude bereiten würden. Meistens wird die namensgebende Phrase einfach bis zum geht nicht mehr wiederholt und bildet dadurch Refrain, Strophen und ja, quasi alles.
Simple Plan scheitern dadurch sowohl an tanzbaren Nummern als auch an Rockstückchen, Balladen oder Reggae-Tunes, sodass es wahre Überwindung kostet, nach dem ersten Durchgang ein zweites Mal auf „Play“ zu drücken.
Kurzum: Dieses Album ist einfach unglaublich schlecht. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu alt, um mir über 30jährige Männer anzuhören, die ihren Teeniefans hinterher trauern.

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

Kommentare

  8 kommentare

  1. Ines Kirchner

    Nachtrag: 1 Stern ist noch zu viel! 0 sind leider nicht möglich.

  2. casey j.

    ich finds gar nich so schlimm, was will man von pop-punk ( ausser vllt von blink-182) erwarten, ausser dass man ihn im sommer gut als hintergrundmusik laufen und sich berieseln lassen kann? und das kann das album schon gut 😉

  3. Ines Kirchner

    das album find ich sogar zu schlecht für hintergrundmusik…

  4. Tapete

    Na super…Hintergrundmusik…das sagt doch schon alles. Viel zu viele Leute hören Musik leider nur noch passiv. Nehmt euch doch mal die Zeit, ins bett legen, cd rein und aktiv hören. erst dann kann man etwas richtig beurteilen!

  5. casey j.

    @tapete: ja natürlich ist das nicht das wahre!! aber dieses genre hat auch nicht den anspruch mehr zu sein. wenn man mehr als hintergrundmusik haben möchte ist man bei diesen alben natürlich an der falschen adresse.

  6. Benjamin Fischer

    Pop Punk als Genre ist doch eh viel zu plattgetreten. Bands wie Man Overboard, Transit, Daytrader usw. laufen auch unter der Bezeichnung und was auch immer man von ihnen hält: Sie mit Simple Plan zu vergleichen hat wirklich keine auch nur im Geringsten verdient.
    Hintergrundmusik versteh ich übrigens so, dass sie nicht groß auffallen soll. Da sind die grandiosen Lyrics relativ egal, aber wenn ich dann die ständigen Versuche hören muss, Einfallslosigkeit mit allem was dem Produzent irgendwann mal eingefallen ist zu übertünchen, dann will ich ich einfach nur weglaufen.
    Solche Bands sollten sich manchmal einfach mit spätestens 25 auflösen müssen. Good Charlotte wäre das z.B. auch zu empfehlen gewesen.

  7. Katharine

    😀 du hast doch keine ahnung das album ist geil 😉

  8. Amy Flemming

    wieso „Und Simple Plan gibt es leider immer noch“???? ich bin 14 und ich persönlich würde in tränen ausbrechen wenn sich simple plan auflösen würde ich finde die band macht einfach gute musik
    Tja man muss genießen können

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