Single Mothers – Our Pleasure

Album Our Pleasure
Musikrichtung Punk, Punk
Redaktion
Lesermeinung
6

Punk steht heute auf allem drauf. Egal ob in der Mode oder der Wirtschaft, der Begriff wird inflationär für alles mögliche benutzt und dabei oftmals komplett zweckentwedet, zum Aufbau von Konformität statt zum eigentlichen Aufbrechen bestehender Strukturen. Auch in der Musik läuft so einiges unter diesem Label, das am Ende mit dem Ursprung des Ganzen ungefähr so viel zu tun hat wie Donald Trump mit den Attributen Kompetenz und Intelligenz. Gerade im zunehmend belangloser werdenden Feld des Pop-„Punk“ (sieht man mal von der Warped-Tour eigenen Vorliebe für misogyne Fehltritte jeglicher Bandbreite und daraus resultierenden Schlagzeilen ab) wird dies häufig mehr als deutlich.

Man muss sich schon beinahe einen Wolf suchen in Zeiten des Internets, um Bands und Künstler zu finden, die dem Mythos „Punk“ noch wirklich gerecht werden, so man sich denn nicht mit irgendwelchen billigbiersaufenden und unhygienischen Proleten zufrieden geben will, die letztlich auch nur bereitwillig Klischees bedienen. Sprich: Wenn man Acts sucht, die ihr Ding durchziehen, möglichst eigenständig und ohne Kompromisse, die mit einer positiv kanalisierten Wut Finger in Wunden jeglicher Art legen und am besten nochmal das DIY-Salz drüberstreuen.

Im kanadischen London (ja, genau) findet sich mit den Single Mothers noch ein genau solcher Act. Musikalisch wird es mit der Einordnung gleich schon einmal schwierig. „Alternative-Noise-Rocker“ steht in der Pressemitteilung und kommt dann schon auch irgendwie hin, wird der Sache aber nur im Ansatz gerecht. Der verzerrte Gesang pendelt irgendwo zwischen gesprochen und geschrien, sucht beinahe aufdringlich den Weg ins Hirn, reißt aber auch genau deswegen mit. Instrumentell lässt sich die Nummer gut als treibend bezeichnen, drückt sich aber mindestens ebenso prägnant in den Gehörgang und bohrt gerne nochmal eine Runde nach. Inhaltlich bekommt jeder auf kluge Art und Weise sein Fett weg, von Gottesgläubigen bis hin zum durchschnittlichen Städter-Snob.

Auch „Our Pleasure“ wurde wieder mit einem neuen Line-Up aufgenommen, das sich – so wie einige Songs – erst im Studio zusammenfand. Einzige konstante bleibt Sänger Andrew Thomson. Das tut der Sache aber keinen Abbruch, sondern macht die Single Mothers so unberechenbar. „Our Pleasure“ ist wütend, inhaltlich klug, musikalisch eigenständig und authentisch. So muss Punk sein, so macht Punk Spaß.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
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