Slothrust – The Pact

Album The Pact
Band Slothrust
Musikrichtung Alternative-Rock
Redaktion
Lesermeinung
7.5

Das nennt man dann wohl Geheimtipp: Slothrust sind ein Trio aus Boston um Singer-Songwriterin Leah Wellbaum, von dem vermutlich viele noch nie etwas gehört haben. „The Pact“ ist allerdings schon das vierte Album der rostigen Faultiere und stellt sich oft sehr geschickt dabei an, Grunge-infizierten Garagensound mit allerlei stilistischen Ausflügen aufzubrechen. Powerchords und Akustikgitarre sind hier nur das grobe Gerüst, um staubtrockenen Blues, Country, recht clevere Lyrics und teils durchaus bekloppte (Instrumental-)Experimente zu transportieren.

Schon der Opener „Double Down“ gibt die Marschrichtung vor: Groovige Fuzz-Gitarre mit jeder Menge Bendings, „Da da da“-Refrain, eine fröhliche Pfeifmelodie. Der unverschämte Ohrwurm ist ansprechend, aber auch irgendwie speziell. Im dazugehörigen Musikvideo spukt Wellbaum durch eine Wäscherei und verunsichert Passanten. „Peach“ ist klassischer, scheint direkt aus den finstersten Neunzigern und genau von der entgegengesetzten US-Küste zu kommen. Das polternde „Planetarium“, möglicherweise schon der beste, weil zackigste Song der Platte, kommt direkt aus der Garage. „Have you ever faked sick before?“ Gefaket ist hier nix, stattdessen äußerst charmant. Slothrust beherrschen den zwischenzeitlichen Stinkefinger genau so gut wie zurückgelehnte und kuschelige, vielleicht aber auch ein bisschen ereignislose Pop-Balladen („Walk Away“).

„For Robin“ kommt dann mit Synthie-Bläsern um die Ecke, plätschert aber, wie auch „The Haunting“, eher vor sich hin, als dass er wirklich fesselt. „I’m not into romance, I am into blood“: „New Red Pants“ ist wieder kratzbürstiger. „Fever Doggs“ überzeugt dann mit klassischer 90er-Laut-Leise-Dynamik und Tempowechseln, klingt am Ende gar nach Riot Grrrl. Weiter geht es mit Schlafzimmerblick und Liebesbekenntnissen bei gedämpftem Licht. „I gave you my favorite sweater, I was afraid you’d think it was cheap. But you didn’t think anything, you put it on and went to sleep.“ Plötzlich ist da Soul im Grunge, stilecht mit diesmal noch prominenterem Saxophon-Solo, und das nicht einmal als Witz gedacht („On My Mind“). Wieder charmant, aber so langsam ist ebenfalls klar geworden: „The Pact“ mit seinen dauernd wechselnden Musikstilen ist Geschmackssache. Zum Abschluss klettert der „Travel Bug“ zu Fingerpicking und Lagerfeuer über die Prärie.

Zwischendurch gelingt Slothrust tatsächlich das Kunststück, viele verschiedene und auf den ersten Blick kaum zueinander passende Ideen zu einem schlüssigen Ganzen zu kombinieren („Double Down“, „On My Mind“). Dummerweise nicht bei jedem Song. „The Pact“ hat einen gewissen Mixtape-Charakter, kann sich nicht so recht zwischen Courtney Love in Cowboystiefeln und Backing-Band für Marvin Gaye entscheiden. Frisches Rock-Futter in gestrigem Soundgewand ist das aber allemal, sogar teilweise mit der ein oder anderen Songperle – wenn man denn auf den Geschmack gekommen ist.

Autor Ralf Hoff
Wohnort Frankfurt
Beruf Student
Dabei seit Oktober 2018
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Top-Alben Jawbreaker - Dear You, Elliott Smith - Either/Or, The Smashing Pumpkins - Siamese Dream, Placebo - s/t, The National - Boxer/High Violet, Nirvana - In Utero
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Black Rebel Motorcycle Club (Luxemburg), Cloud Nothings (Köln), Wolf Alice (Frankfurt) und ganz ganz viele Shows im Exhaus in Trier

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