Smile And Burn – Get Better Get Worse

Label Uncle M
Musikrichtung Punk, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
7

Wer sich in den vergangen Jahren auf Punkrock-Shows aufgehalten hat, um Bands wie Adam Angst oder die Donots zu sehen, konnte sich Smile And Burn nur schwer entziehen. Dazu gab es freilich auch keinen Grund. Genießt das Berliner Quintett doch einen exzellenten Live-Ruf. Mit „Get Better Get Worse“ soll diese Energie nun kondensiert werden. Umso besser, dass Smile And Burn auch etwas zu erzählen haben: ein Album vom Scheitern und dem Versuch, sich selbst zu akzeptieren.

Also spielt man etwa mit gemäßigtem Tempo die Fragen nach dem unperfektem Ich durch, das im allgegenwärtigen Zwang zur Selbstoptimierung wohl nie „Good Enough“ sein kann. Nicht nur im Refrain, sondern auch in den Strophen gesellt sich die gesamte Band ans Mikrofon. Das verleiht dem Song einen herrlich-hymnischen Charakter, schiebt aber die charakteristische Stimme Philipp Müllers in den Hintergrund.

Neben Songs wie „Good Enough“ kann es zwischendurch aber auch mal ruppiger zugehen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist der Song „Not Happy“, der irgendwo zwischen The Hives und John Coffey durch die Decke poltert. Eine Pogo-Einladung, die sich der Setlist mit einem reichhaltigen Gesangs-Buffet aus aggressivem Gesang, Sing-a-longs, aber auch grazilen Harmonien förmlich aufdrängt.

Die Dynamik der Songs profitiert auch von den wohldosierten Arrangements. Statt überfrachteter Soundwände bieten Smile And Burn einen druckvollen, aber stets transparenten Sound. So raffiniert das Songwriting auch sein mag, enthält das Album vor allem Hits, die schon beim ersten Durchlauf zünden.

„Walking on Fire, running on edges, this is what we know, this is what we – and you can see me fail“

Zeilen, die in fast schon naiver Manier auf jegliches Reimschema verzichten, bilden den Refrain von „Running on Edges“. Und der Song ist derart mitreißend und emotional, dass sich der Körper kaum zwischen Tanz und Tränen entscheiden kann. Smile And Burn zeigen eindrucksvoll, wie sich ein Spagat aus beidem anhören kann. Das erinnert stellenweise tatsächlich an das Frühwerk einer anderen Berliner Band – die Beatsteaks.

Es scheint nur eine Frage, bis Smile And Burn nicht mehr nur die kleinen Clubs der Republik füllen. Hier werden Songs geboten, die trotz ihres emotionalen Tiefgangs eine entfesselnde Leichtigkeit versprühen. „Get Better Get Worse“ ist zweifellos einer der ersten unverzichtbaren Begleiter für 2017.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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