Sorority Noise – You’re Not As _____ As You Think

Musikrichtung Indie, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
5

Bei Sorority Noise dominieren auf „You’re Not As _____ As You Think“ Trauer, Suizid und Depression. Die für ihre brutale Offenheit bekannte Indie/Rock-Band aus Connecticut widmet sich also auf ihrem dritten Album abermals den Abgründen der eigenen Psyche. Zwei Jahre nach ihrem Durchbruch mit „Joy, Departed“ meldet sich die vierköpfige Band mit einem noch düsteren Album zurück. Musikalisch fällt beim ersten Durchlauf vor allem eins auf: das Tempo wurde merklich gedrosselt. Dabei erinnern die Songs nach wie vor besonders an Bands wie Brand New, Citizen oder auch The Front Bottoms.

Waren auf dem letzten Album sogar tanzbare Songs zu finden, scheinen sich die schleppenden, düsteren Arrangements von „You’re Not As _____ As You Think“ an ihre melancholischen, textlichen Motiven anzuschmiegen. Gitarrist und Sänger Cameron Boucher erzählt in seinen Texten nicht nur von diversen Verlusten in seinem privaten Umfeld („First Letter from St. Sean“), sondern auch von seiner allgegenwärtigen Depression („Leave the Fan On“). In leere Worthülsen rettet er sich dabei nie – ganz im Gegenteil:

„This last week, I slept 8 hours total, I barely sleep, maybe that’s why I’ve been weak, the same things that plague you still plaguing me“ (aus „No Halo“)

In „Disappeared“ rekonstruiert er gar den Moment, in dem er über den Tod eines Freundes informiert wurde. Scheinbar ohne jeden Filter werden Fackeln der Traurigkeit gezündet, deren musikalisches Feuer jedoch oftmals bereits im Keim erstickt wird. Songs wie „A Better Sun“ brechen nämlich nicht aus der Depression aus. Sie kondensieren diese.

Eine überaus gelungene Ausnahme bietet da die erste Single-Auskopplung „No Halo“. Mit treibendem Rhythmus und Sinn für Melodie baut sich die eben zitierte Strophe behutsam auf und mündet schließlich in einem epischen Refrain. Für diesen Moment wird die Schwermut achtkantig aus der Psyche geworfen und das Album erreicht mit dem ersten Song seinen kathartischen Höhepunkt. Ein Jammer, dass es der letzte von diesem Ausmaß bleibt.

Mit „You’re Not As _____ As You Think“ haben Sorority Noise einen schweren Brocken veröffentlicht. Die Songs konfrontieren mit bedrückend ehrlichen Gefühlswelten, gegen die nur punktuelle Befreiungsschläge geboten werden. Das dritte Album ist keine Scheibe für jeden Gemütszustand – für die besonders schwierigen Lebenslagen jedoch eine immens wertvolle.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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