Spielbergs – This Is Not The End

Band Spielbergs
Musikrichtung Indie-Rock, Noise Rock, Power-Pop
Redaktion
Lesermeinung
8

Wenn Kanada den epischen, hymnenhaften und immer dezent alkoholisierten Bromance- und „Wir können die ganze Welt erobern“-Rock nicht schon längst für sich gepachtet hätte, spätestens jetzt wäre – out of all places! – Norwegen am Zug. Während Japandroids aber schon mit zwei von vier Beinen im allseits verpönten Stadion stehen, bleiben die Spielbergs in der elterlichen Garage. Der des Eigenheims wohlgemerkt, sind die drei skandinavischen Rocker doch bereits nicht mehr die Jüngsten. So ist auch eher der nostalgische, ein bisschen wehmütige Spaß an der Sache der Antrieb, nach Feierabend die Amps glühen zu lassen, als jugendlicher Sturm und Drang. Aber getreu dem Motto der Platte, Familie hin, Dayjob her – das ist noch lange nicht das Ende.

Wenn man nun schon die Brücke zum prominenten Namensvetter Steven schlagen will, dann vielleicht so: Ob auf Leinwand oder Bühne, die Emotionen, die sämtliche Spielbergs auslösen, sind immer ein bisschen grob, mit dem ganz großen Pinsel gemalt – aber meistens dann doch effektiv, wenn das Publikum mitspielt.

„Five on it“ ist die Standordbestimmung, jaulender Dinosaur Jr-Gedächtnisrock mit Neunziger-Schrammelgitarre und nöligen Vocals. Innovativ ist das nicht, aber geil. „Distant Star“ von der gleichnamigen EP folgt auf dem Fuße, mit himmlischem Refrain und ganz viel Liebe. „I wanna change apartments / I wanna leave this place / But I never do / And it’s because of you.“ Hach. Was ein Auftakt für ein Debütalbum.

Im Anschluss wird es ein bisschen differenzierter. „Not For Long“ verzichtet auf allzu anspringende Eingängigkeit, punktet mit ruhigem Zwischenpart und verspielter Leadgitarre, die auch vor Cloud Nothings-artigem Geschraddel nicht zurückschreckt. „We Are All Going To Die“ bolzt sich euphorisch mit Stakkato-Drums und dichtem Gitarrensound bis in höchste Höhen vor – wenn schon sowieso sterben müssen, dann mit breitem Grinsen und im Vollsuff auf der Bühne. „You All Look Like Giants“, „Bad Friend“, wie auch immer – Celebration Rock. Genauso gerne verlieren sich Spielbergs aber manchmal auch in sphärischem Dreampop und driften ab in Watte und Schläfrigkeit („Familiar“). Solange sie nur optimistisch genug bleiben, geht das klar, dem Black Rebel Motorcycle Club geht es oft ähnlich. In „Sleeper“ verkleidet sich Sänger Mads Baklien dann als Elliott Smith, und selbst der ist hier nicht wirklich traurig.

Die kleinen Schönheitsfehler findet nur, wer griesgrämig und kleinkariert nach den Haaren in der Suppe sucht und immun gegen die ansteckende Euphorie klassischen Rock-Handwerks ist. „4 am“ stolpert munter drauf los, guckt weder rechts noch links und bricht mit Karacho durch die nächste Häuserwand, lässt dann aber ein bisschen den großen Knall am Ende vermissen. Das schwarze Schaf der Platte ist zweifelsohne das nicht nur im Songtitel obskure „McDonalds (Please don’t fuck up my order)“, das siebeneinhalb Minuten allerlei effektgeladene Saitenspielereien bietet, aber wenig Mitreißendes produziert.

Ist aber schlussendlich völlig egal, denn Spielbergs packen. Neues wird hier nicht geboten, dafür aber das Bekannte mit solchem Verve und Enthusiasmus vorgetragen, dass nur ein Thaddäus Tentakel oder Gernot Hassknecht still sitzen bleiben und meckern könnten. „This Is Not The End“ ist ganz klar Epigonentum – aber, oh altehrwürdiger Rock ’n‘ Roll, was für welches. In Oslo ist endlich Sommer, der Tourbus knattert los und zumindest für eine Weile denkt niemand daran, nach Hause zu telefonieren. Und jetzt mal versuchen, den Bandnamen zu googeln.

Autor Ralf Hoff
Wohnort Frankfurt
Beruf Student
Dabei seit Oktober 2018
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Jawbreaker - Dear You, Elliott Smith - Either/Or, The Smashing Pumpkins - Siamese Dream, Placebo - s/t, The National - Boxer/High Violet, Nirvana - In Utero
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Black Rebel Motorcycle Club (Luxemburg), Cloud Nothings (Köln), Wolf Alice (Frankfurt) und ganz ganz viele Shows im Exhaus in Trier

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