Stella Donnelly – Beware Of The Dogs

Album Beware Of The Dogs
Musikrichtung Indie, Pop
Redaktion
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Stella Donnelly hat sich im letzten Jahr mit ihrer Debüt-EP „Thrush Metal“ in die Herzen der Indie-Fans gespielt. Kein Wunder, sind die Zeiten für Singer-Songwriterinnen momentan so gut wie nie: Julien Baker, Phoebe Bridgers oder Snail Mail haben den Boden auch für Donnellys Erfolg geebnet. Die sympathische Australierin veröffentlicht nun ihr Debütalbum „Beware Of The Dogs“, dessen Titel uns nicht nur vor Hunden warnen soll.

Bereits auf ihrer EP bewies Donnelly ihre Qualitäten für sanfte Ohrwürmer, die ohne große Arrangements auskommen. Im Vergleich zu „Thrush Metal“ ist „Beware of the Dogs“ jedoch deutlich besser produziert und arrangiert. Was allerdings schnell zu einem zweischneidigen Schwert werden kann: Einerseits klingen die Songs viel dynamischer, anderseits fehlt das puristische, was gerade Donnellys Debüt-EP so charmant gemacht hat. Auf „Beware of the Dogs“ setzt die Australierin auf mehr als nur ihre Gitarre: Verspielte, multiinstrumentale Parts wie beispielsweise am Ende von „Season‘s Greetings“ oder in „Tricks“ war man bisher nicht von ihr gewohnt, sorgen aber für die ein oder andere Überraschung.

Was Stella Donnelly auf „Beware Of The Dogs“ besonders wichtig ist, wird ab der Hälfte des Albums deutlich: „Boys Will Be Boys“ ist, trotz seiner simplen Schönheit, ein kämpferischer Song. Es geht um die Rechte der Frauen; es geht um das Recht, Nein sagen zu dürfen und vor allem darum, dass das meist männliche Gegenüber dieses Nein auch akzeptiert. Dass diese Akzeptanz traurigerweise noch immer nicht selbstverständlich ist, zeigt uns Donnelly eindrucksvoll mit diesem Song, der gleichzeitig das brisante Thema des virctim blaming anspricht. „Boys Will Be Boys“ war bereits auf „Thrush Metal“ zu finden und wurde extra für „Beware Of The Dogs“ neu aufgenommen, um den für Donnelly sehr wichtigen Song einem bereiteren Publikum zugänglich zumachen.

Auch der Opener „Old Man“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. So geht es in dem Song um alte Männer, die in unserer Gesellschaft Narrenfreiheit genießen und tun und lassen können, was sie wollen: „If you touch her again, I’ll tell your wife and your kids, ‚cos this is not ninety-three.“ Emanzipiert wie sie ist, hat Donnelly da natürlich etwas gegen. Besonders, wenn diese alten Männer der jungen Generation – und vor allem den Frauen – Vorschriften erteilen wollen: „Oh are you scared of me old man or are you scared of what I’ll do? You grabbed me with an open hand. The world is grabbing back at you.“

Die thematische Spannweite reicht weiterhin über die Ent-Tabuisierung von Masturbation („Mosquito“) zu avangardistisch-witzigen Abhandlungen über Donnellys Verhältnis zu ihrer Mutter („Season‘s Greetings“). So lässt sich durchaus sagen, dass „Beware of the Dogs“ ein persönliches Album ist, das nicht nur einen Querschnitt durch Stella Donnleys politische Ideale darstellt, sondern auch durch ihr persönliches Empfinden.

Durchweg charmant kommt „Beware Of The Dogs“ daher, allerdings längst nicht so charmant wie Stella Donnellys hervorragendes Debüt. Dafür wird auf „Beware Of The Dogs“ die verspielte Seite der Australierin deutlich, die für den ein oder anderen Aha-Moment sorgen dürfte.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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