Stray From The Path – Only Death Is Real

Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Unendlicher Reichtum auf der einen Seite, grenzenlose Armut auf der anderen. Nationalismus und Rassismus sprießen vielerorts aus dem Boden. Kriege folgen auf Kriege. Sorgen, dass ihnen irgendwann mal der lyrische Input ausgeht, müssen sich Stray From The Path wohl kaum machen. Und so setzten die New Yorker zwei Jahre nach „Subliminal Criminals“ – wenig verwunderlich – erneut zum Rundumschlag an.

Den thematischen Überbau, inklusive Schach-Metaphorik, gibt es gleich im Opener „The Opening Move“ serviert. „They want the pawns to fight each other / And say that we’re not the same / Well, I say, “don’t hate the player / Hate the game“ […] It’s your move, motherfucker“. Dazu knüppeln Stray From The Path – Breakdown sei Dank – gefährlich nahe an der Magengrube rum. Trotzdem fällt der Einstieg ziemlich leicht – gerade, wenn man sich an die schrillen Gitarren von „The New Gods“ erinnert. Hysterische Gitarren bringen dafür gleich im Anschluss „Loudest In The Room“ zur Eskalation, wenn auch nur für die Dauer eines Breakdowns. Während Donald Trump geradezu besessen von seinen Mauer-Plänen ist, wollen Stray From The Path Leben und Tod, Armut und Wohlstand nicht von einer künstlich gezogenen Linie abhängig machen. „I won’t pick a side / Won’t lay down my life on an invisible line“.

Ordentlich ins Ohr geht „Goodnight Alt-Right“ mit dicken Riffs und massig Groove. Und verachtenswert ist die Alt-Right-Bewegung allemal, dennoch entzündeten sich um „Goodnight Alt-Right“ so einige Diskussionen. Gerade auf Youtube schlugen die Wellen ziemlich hoch. Viele verstanden den Song und das Video als Aufforderung zur Gewalt und kritisierten Stray From The Path heftig. Ob die Band, wie im Video, auch privat Menschen eine Schrotflinte vor die Brust hält, ist allerdings (hoffentlich) zweifelhaft. „Goodnight Alt-Right“ ist wohl weniger eine Aufforderung zum Mord, denn eine gezielte Überzeichnung im Rahmen der künstlerischen Freiheit. Dennoch ist Gewalt natürlich weder eine Lösung, noch sollte sie ein Mittel sein. Freilich stehen wir jedoch vor größeren Problemen als aggressiven Hardcore-Songs. Um das zu erkennen, reicht ein Blick in die Kommentarspalte unter besagtem Musikvideo: Bei so manchen Bemerkungen beschleicht einen das ungute Gefühl, dass die Kommentierenden mehr Probleme mit Stray From The Path, als mit dem Neonazi-Aufmarsch in Charlottesville haben könnten.

Stray From The Path können aber auch mal persönlich werden. „Now you’re gone with the wind / Everything is still / I’ll stay here forever to watch what you‘ve built“. Architects-Fans wissen, um wen es geht – Tom Searle. An der musikalischen Verpackung ändert sich freilich wenig. „They Always Take The Guru“ beginnt ganz schön chaotisch mit wild voran preschendem Drumming. Der Refrain wirkt da fast schon schwerfällig, obwohl er mit einem schicken Tempo-Wechsel ausgestattet ist. Richtig brachial wird es bei den Featurings mit Keith Buckley (Every Time I Die) und Bryan Garris (Knocked Loose). Letzterer lässt „All Day & Night“ bei seinem Einsatz fast mehr nach einem Knocked Loose-Song mit Drew York-Feature klingen als andersrum. Das kann leider nicht kaschieren, dass der Rest des Songs arg unter Ideenlosigkeit leidet.

Bewusst vor der Präsidentschaftswahl veröffentlicht haben die Herren „The House Always Wins“. Unterstützt von Tonaufnahmen der beiden Kandidaten Hillary Clinton und Donald Trump, spielen und schreien sich Stray From The Path den Frust von der Seele. „We’re all fucked no matter who we choose […] Burn the ballots sweep em under the rug“. So berechtigt Kritik am Zwei-Parteien-System und an Hillary Clinton auch sein mag, tut es dennoch weh, dass die Band eine Enthaltung für den richtigen Weg hält. Denn hätten mehr Leute für das angeblich „kleinere Übel“ gestimmt, anstelle sich zu enthalten, wäre uns ein Rassist im Weißen Haus vielleicht erspart geblieben.

„Only Death Is Real“ ist ein solides Album geworden. Die zehn Songs funktionieren größtenteils, die Gitarren versprühen ordentlich Groove und vieles bleibt im Ohr hängen. Leider bleibt auf Dauer das Gefühl nicht aus, die immer gleichen Songs zu hören. Mehr Spielereien und mehr Mut beim Riffing hätten der Platte gut getan. So wirkt mancher Moment ein wenig platt, obwohl Stray From The Path zweifelsohne mehr können.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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