Sum 41 – 13 Voices

Album 13 Voices
Band Sum 41
Musikrichtung Punk, Pop-Punk
Redaktion
Lesermeinung
4

Eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis sich Deryck Whibley vom Leber- und Nierenversagen erholt hat. Von den Nach- und Nebenwirkungen seines jahrelangen Lebensstils des klassischen Rockstars. Dass es für ihn aber tatsächlich aufregend sein könnte, nüchtern und bei Sinnen zu sein, hätte der Sum 41-Frontmann bis zu seinem Beinahetod wahrscheinlich weniger gedacht. Dass diese Erfahrung ihn um einige Songideen bereichert hat, ist dagegen naheliegend.

Seinen Rehabilitationsprozess beschreibt Whibley unter anderem damit, dass in seinem Kopf sehr viele Stimmen gewesen seien, die ihm mit Fragen konfrontierten. “Wie benimmt man sich in der Öffentlichkeit?”, “Wie verhält man sich gegenüber anderen Menschen?”, “Auf was muss man achten, wenn man an einem Album arbeitet?”, “Wie ist es, Teil einer Band zu sein?” – Fragen, die unausweichbar waren. Stimmen, die Chaos verursachten. Der Schizophrenie somit wahrscheinlich gar nicht so weit entfernt, entstand “13 Voices”. Das sechste Album der Band und wahrscheinlich das erste, welches von Whibleys nüchternem Ich geschrieben und produziert wurde.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, auf “13 Voices” klingen Sum 41 unverkennbar nach sich selbst. Aber nein, auf Hits muss dennoch verzichtet werden. Zumindest der Kaliber “Fat Lip”, “In Too Deep”, “Pieces” oder “With Me”. “13 Voices” ist ganz gewiss keine Neuauflage von “All Killer No Filler” oder “Does This Look Infected?”. Ebenso wenig ist es ein zweites “Underclass Hero”. “13 Voices” ist Sum 41 anno domini 2016. Nicht mehr und nicht weniger – aber das ist auch nur gut so.

Sum 41 – God Save Us All (Death to POP) [Official Music Video] from Hopeless Records on Vimeo.

Über fünf Jahre sind nach dem Release des letzten Albums “Screeming Bloody Murder”; 2011) ins Land gezogen. Mit entsprechend viel aufgeladener Spannung und Pathos wird mit “A Murder Of Crows (You’re All Dead To Me)” nun ins neue Werk gestartet. Ein Intro von über einer Minute, Geigen und starke Dynamik. Ein Song wie ein einziges Crescendo, mal stärker, mal schwächer. Dramaturgie wie aus dem Lehrbuch. “Don’t believe that it’s only black and white. It’s written in all the diamonds of the night. And I’ve never felt this, so alive”.

Bei “Goddamn I’m Dead Again” klingen Sum 41 dann wieder bekannter. Extrem schneller Punkrock mit starken Gitarrensoli, bei denen sich so mancher Metal-Gitarrist sicher noch einiges abschauen könnte. Selbiges gilt bei “Fake My Own Death”. Der Band tut es wahrlich gut, wieder Dave Baksh als zusätzlichen Gitarristen in ihrem Line-Up begrüßen zu dürfen.

Nicht weniger gut kommen auch “Breaking The Chain”, “War” und “The Fall & The Rise” daher. Gehört letzterer vor allem der Gattung “Ohrwurm” an, haben sich Whibley und Co. bei den beiden anderen den Hymnen verschrieben. Spätestens an dieser Stelle sollte auch jedem noch so uninformiertem Hörer bewusst sein, dass hier gerade jemand sein Herz auf der Zunge trägt: “I’m breaking the chain from the life I knew. Beaten black and blue, it’s time to be face to face with the lies I choose. Throw the truth into the light, make no mistake, I’ve paid my price I’ve done my time with the devil in disguise” (“Breaking The Chain”).

Sum 41 – War (Official Music Video) from Hopeless Records on Vimeo.

Ganz im Gegensatz zu ihren 90er-Pop-Punk-Kollegen Simple Plan, Green Day oder Blink-182, die die Welt in den letzten Wochen und Monaten bereits mit ihren neuen Alben (mehr oder weniger) erfreuen konnten, haben sich Sum 41 nicht der leichten Kost hingegeben. Es wäre zwar eine Lüge zu behaupten, “13 Voices” sei nicht glatt produziert, allerdings bietet das Werk Abwechslung. Und gerade der fehlt es den anderen Bands zumindest teilweise chronisch. Die Herren um Deryck Whibley wechseln gekonnt von Punkrock zu Pop-Rock, vergessen ihren alten Freund, den Pop-Punk, dabei jedoch nie. Ebenso wenig wie die Metal-Anleihen, die sie immer noch gerne streuen – wenn auch sehr dosiert.

Whibley bezeichnet “13 Voices” als das wichtigste Album der Band (bisher). Vielleicht, weil es beweist, dass er noch lebt. Vielleicht, weil es beweist, dass er auch ohne Drogen jeglicher Art kreativ sein kann. Wie dem auch sei, es zeigt zumindest, dass die Qualität von Sum 41 nicht von Rauschmitteln abhängt.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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