Super Unison – Stella

Album Stella
Musikrichtung Post-Hardcore, Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5.5

Hardcore nur um des Hardcores willen tendiert dazu, wahnsinnig abgedroschen daher zu kommen. Hat man alles schon gefühlte tausend Male gehört und über den Plattenteller kreisen lassen und bei aller inhaltlichen Relevanz will am Ende einfach keine Stimmung aufkommen. Man ist ja auch älter geworden. Das Feuer, es brennt vielleicht auch nur noch auf Sparflamme und irgendwo, da entwickelt man mit der Zeit auch einen gewissen musikalischen Anspruch und will eben auch von den Instrumenten für die Sache gewonnen werden.

Vermessen wäre es zu sagen, dass Punch eine normale Hardcore Band waren, sich irgendwelchem Riff-Einheitsbrei hingegeben hätten – und die inhaltliche Frage, die stellte sich sowieso nicht. Der teils absurd das Tempo anziehende und in den Power-Violence abdriftende Fastcore der Band aus San Francisco verstand es mehr als gut, politische Relevanz mit einer gehörigen Portion musikalischen Arschtritts zu verbinden, ohne abzustumpfen. Aber sei es drum, Punch sind Geschichte.

Sängerin Meghan O’Neil beschreitet längst neue Wege, an der Seite von Snowing-Drummer Justin Renninger und mit Kevin DeFranco an der Gitarre. Super Unison schimpft sich das – und dabei heraus kommt dann eben eine Form Hardcore, die auch 2018 noch nicht anödet. Progressiv, intensiv, schön verzerrt und doch mit einer gewissen musikalischen Wucht zieht das Trio auch auf seinem zweiten Album „Stella“ Soundwände hoch, die gerne erst einmal mehr musikalisch Beteiligte vermuten lassen würden. War der Erstling „Auto“ dabei noch außerordentlich punkig und straight auf den Punkt, verlassen die Songs auf „Stella“ gerne mal den direkten Weg nach hause und schauen sich verträumt in der Gegend um. Dabei versteht es O’Neil mittlerweile, auch der Introspektive Raum in ihren Texten und mehr und mehr Persönliches in ihr Schaffen einfließen zu lassen, statt der ganzen Gesellschaft entgegenzuschreien, was sie tun und lassen soll. Das macht die Musik von Super Unison im Gesamten um einiges nahbarer als die ihrer Vorgängerband.

Musikalisch fließen die Songs auf „Stella“ regelrecht ineinander. Die wohl platzierten Wutausbrüche entfalten inmitten dieses Flusses immer wieder zielgerichtet ihre Wirkung und eignen sich auch als musikalischer roter Faden, an dem entlang es sich durch das ausgeklügelte Riffing wabern lässt. „Stella“ mischt Hardcore und etwas, das man im weitesten Sinne als Shoegaze bezeichnen kann, auf eine hervorragende Art und Weise.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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