Svalbard – One Day All This Will End

Band Svalbard
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

„Persönlich werde ich von Gefühlen und Lyrik mehr beeinflusst als von irgendwelchen bestimmten Spielarten, was auch zwei nicht ganz offensichtliche Einflüsse von Svalbard erklärt: The Cure und Nick Cave. Beide Bands transportieren eine gefühlvolle Wirkung, die für mich die Hauptsache in einem Song ist.“
Diese Worte stammen von Serena Cherry, ihres Zeichens Sängerin bei Svalbard und waren ihre Antwort auf die Frage, ob sie es nicht frustrierend fände, dass andere Bands so herrlich leicht in ein Genre gesteckt werden könnten, bei ihrer Band das aber unmöglich sei. Ihre Antwort war eindeutig – so eindeutig, wie „One Day All This Will End“ ein Statement der Band für ihre Liebe zu ihrer Musik ist. Svalbard spielen auf ihrem Debüt mit Musikrichtungen als wären es Teile verschiedener Puzzles. Stellt sich die Frage, ob sie trotzdem alle Teile zusammenbringen können.

„Like a candle in daylight, just a useless burning, and a lost light. Like a finger on a dying pulse I can feel you drift to the vanishing point.“

Svalbard, die ihren Namen einer zu Norwegen gehörenden Inselgruppe (Spitzbergen) entliehen haben, mixen auf ihrem ersten Longplayer verschiedenste Elemente aus Post-Hardcore, Crust, Post-Rock und Black Metal, als wären alle Stilarten aus einem Guss. Melodische Gitarrenparts finden auf „One Day All This Will End“ genau so ihren Platz wie hektisches Black Metal Schlagzeug-Gedresche. Zorn und Wut liegen so nahe bei Sehnsucht und Hoffnung, dass die Grenzen zwischen all diesen Gefühlen verschwimmen zu scheinen. Eine emotionale Reise, die befreit und einschnürt, die streichelt und beißt, lacht und weint. In eine Schublade lassen sich die Labelkollegen von Rolo Tomassi tatsächlich nicht stecken – sogar nur schwer in die Post-Nothang Ecke. Die Kombo aus dem UK vereint die Essenz von Pianos Become The Teeths „Lack Long After“, Bleeding Throughs „The Great Fire“ und Envys „Insomniac Doze“ zu einer unglaublich komplexen und facettenreichen Platte. Intensität, Melodie und Gespür für’s Songwriting – auf „One Day All This Will End“ treiben die Engländer ihre konsequente Kombinationswut auf die Spitze. Selbst die zartesten Momente und die aggressivsten Ausbrüche scheinen keine Gegenteile mehr zu sein, sondern Teil des Großen und Ganzen. Teil einer Struktur, die beide Elemente braucht. Allein der emotionale Höhepunkt in „The Damage Done“, wenn nach Serenas aufwühlendem Bekenntnis „For your righteous tongue is covered in eggshells. As it licks it rips these wounds. And though it bleeds with bad intentions, I hold onto my heart. I held onto my heart.“ die Gitarre einsetzt, treibt einem so viele Schauer über den Rücken, dass man einfach Teil dieses fabelhaften Stücks Musik sein möchte. Mit „Lily“ findet das Album nach etwas mehr als einer halben Stunde einen ruhigen, instrumentalen Abschluss – und hier liegt auch der einzige Kritikpunkt dieses wahnsinnigen Debüts: Die zehn Songs können auf Dauer nicht die Gier nach Svalbards Musik stillen.

Die Engländer schaffen den Spagat und fügen das Puzzle nach ihren Spielregeln perfekt zusammen. Svalbards Debütalbum ist für die junge Band Segen und Fluch zugleich – ein fulminanter Einstand, der zugleich die Latte für das nächste Album wahnsinnig hoch legt. Aber das alles ist jetzt noch Zukunftsmusik. „One Day All This Will End“ ist die Musik für jetzt, für morgen und auch darüber hinaus. Es bleibt also nur noch eins zu sagen: Diese Platte darf in 2015 nicht ungehört bleiben.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Joanna Newsom - Y's | Propagandhi - Today's Empires, Tomorow's Ashes | At The Drive-IN - Relationship of Command
Die besten Konzerterlebnisse Iggy Pop | ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead | NOFX | Escapado | Propagandhi

Hinterlasse einen Kommentar