Taking Back Sunday – Happiness Is

Album Happiness Is
Musikrichtung Rock, Alternative, Emo
Redaktion
Lesermeinung
5

Zeiten ändern dich, sagte ja schon ein Bambi-ausgezeichnetes Integrationsvorbild. Ändern sich auch die Zeiten? Einige Sonntage sind vergangen seit „Tell All Your Friends“, und der Ruhetag wird jetzt nicht mehr mit Bier und Gitarre, sondern mit Frau und Kindern verbracht. Klar, dass Taking Back Sunday auch schon lange nicht mehr die gleichen sind – und selbst eben auch schon ein bisschen „so last summer“.

Nicht, dass sie die alten, die legendären Songs nicht noch spielen würden. Ein bisschen haben sie ja auch wieder zu sich selbst gefunden. Seit Matt Rubano und Matthew Fazzi 2010 ausgestiegen sind, sind Taking Back Sunday mit John Nolan und Shaun Cooper wieder in Originalbesetzung und haben das letzte Album auch gleich selbstbetitelt. Zurück zu den Wurzeln.

Naja, fast. Die Platte „Taking Back Sunday“ war kein Post-Hardcore mehr, sondern Power-Rock. Nicht unbedingt schlecht – aber jetzt eher im Fahrwasser von Kings of Leon oder den Killers schwimmend und nicht mehr als Vorbild für Bands wie Senses Fail oder The Academy Is dienend. Und was Weiterentwicklung für die Band ist, kann auch Rückzugsgrund für die Fans sein. Schon „New Again“ 2009 war insgesamt ziemlich schwach und hatte mit der ehemals charakteristischen Teenage Angst sowieso nicht mehr viel zu tun.

So gesehen bleibt vieles gleich auf „Happiness Is.“ Und manches ist auch noch wie früher: Auch wenn die Bandkollegen in Interviews betonen, dass es nicht mehr nur noch um Mädels geht, die den Jungs die Herzen brechen, sind die Frauen für Sänger Adam Lazzara immer noch Thema. „Better Home and Gardens“ ist Lazzaras Ex-Verlobten gewidmet, nicht gerade wohlgesinnt: „You will never be happy.“ Und gleich darauf folgend „Like You Do“, eine Hommage an seine jetzige Frau, die er mit einem „Beat Up Car“ hinnimmt, wo immer sie will. Immer noch der alte Romantiker eben. Aber die Refrains werden jetzt mit schwulstigen Akustikgitarren und nicht mehr verzerrten Bending-Riffs unterlegt. Stadionreif, aber nicht ganz so ergreifend. Und Lazzaras Gesang wirkt schon lange nicht mehr impulsiv und rotzig, sondern eher verspielt und leicht übermütig.

„Happiness Is“ funktioniert in seinen emotionalsten Momenten aber immer noch gut. Der Opener „Flicker, Fade“, „We Were Younger Then“, oder „It Takes More“ münden in mitreißende Höhepunkte, die all die alten Stärken ausspielen: tragende Gitarren, zweistimmiger Gesang, Zeilen zum Mitsinnen. Insgesamt sind die elf Songs, und vielleicht auch seine Erschaffer, aber doch etwas gesetzt und spannungsarm – melodischer Rock für zwischendurch. „Stood A Chance“ oder „Like You Do“ sind beschwingt, gehen schnell ins Ohr, und legen einem die Worte zum Mitsingen geradezu auf die Zunge. Aber die Zeiten, in denen Taking Back Sunday tränenschwere Sonntage retten konnten, sind lange vorbei.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Bahamas - Pink Strat // Brand New - The Devil and God are Raging Inside Me // Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - New Junk Aesthetic // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
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