Taking Back Sunday – Live from Orensanz

Taking Back Sunday - Live from Orensanz

Taking Back Sunday – Live from Orensanz

Taking Back Sunday waren mal eine gute Band. Zu Zeiten, als der knapp 20-jährige Adam Lazarra mit einer emotional geladenen Stimme die Trennung von seiner ersten Liebe in „Cute without the E – Cut from the team“ besang. Zu Zeiten, als diese melancholische Musik zu diesen jungen Musikertypen passte. Dann, nach zahlreichen Mitgliederwechseln und einem ziemlich langweiligen letzten Album war es durchaus angebracht, die Band aus dem Gedächtnis zu streichen. Doch jetzt auf einmal, ganz klammheimlich, erscheint eine neue Platte auf dem Markt: „Taking Back Sunday – Live from Orensanz“.
Da das Konzert bereits Ende 2009 in der amerikanischen Synagoge „Angel Orensanz“ stattfand, ließ man sich fast ein ganzes Jahr für das Release Zeit. Mittlerweile sind nicht einmal mehr die beiden dort vertretenen, beliebten Mitglieder Matt Fazzi (Giarre) und Matt Rubano (Bass) in der Band. Ein letzter Versuch aus den alten Songkamellen noch ein Quäntchen Erfolg herauszufischen? Vielleicht. Glücklicherweise ist diese CD aber keine lieblose Live-Songsammlung, die sich nur durch Ansagen wie „Thank you“ von den aufgenommenen Originalen unterscheidet, sondern die Wiedergabe von elf akustisch performten Songs. Und hier zeigt sich endlich mal eine gute Seite von Taking Back Sunday! Mit der Musik auf das Mindeste reduziert, steht der Gesang im Mittelpunkt und der war schon immer was Besonderes, bestehen die Songs doch häufig aus Dialogen und mehrstimmigen Arrangements. Sänger Adam Lazarra wurde häufig für seine schwache Stimme kritisiert, die gerade bei längeren Konzerten einem Krächzen gleicht – hier ist genau dieser zerbrochene Klang ein Gewinn. Shootingstar ist allerdings nicht Lazzara persönlich sondern der bereits erwähnte Matt Fazzi, der ihn hier tatkräftig bei den Vocals unterstützt. Schon beim Opener „MakeDamnSure“ treibt einem Fazzis Gesang fast die Tränen in die Augen. Das Lied wirkt so intensiv wie nie zuvor. Später folgende Songs wie „Decade Under The Influence / Lightning Song“ oder „Set Phasers To The Song“ machen dann deutlich, was man schon nach „MakeDamnSure” gedacht hat: Hey, diese alten Stücke sind ja echt nicht schlecht! Unplugged sind sie tatsächlich ziemlich überzeugend. Selbst das neuere Lied „New Again“ passt so wunderbar zu seinem akustischen Mantel, dass man das gleichnamige, letzte Album gerne ausblendet.
Diese Platte mag ein Hilfeschrei sein. Ein letzter Rettungsanker, um die Fans nicht zu vergraulen. Dafür ist sie aber auch ein sehr gelungenes musikalisches Statement der Band: Taking Back Sunday müssen nicht mit Besetzungsschwierigkeiten auf sich aufmerksam machen. Die Band hat anscheinend doch das nötige Talent, um ein absolut zauberhaftes Stück Musik zu veröffentlichen – weiter so! Neue Mitglieder hin oder her. Ach ja, und an den Herrn Fazzi: Gründen Sie bitte eine eigene Band. Danke.

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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