Taking Back Sunday – Tidal Wave

Album Tidal Wave
Musikrichtung Emo, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
5

„I didn’t know what I was looking for – come to think I wasn’t looking at all.“

Taking Back Sunday schienen mir mehr oder weniger abgehakt. Absoluter Tiefpunkt war der selbstbetitelte Neustart 2011 – damals zwar wieder in der ursprünglichen Besetzung, aber ohne den alten Esprit. „New Again“ davor war schon nicht sonderlich spannend, und „Happiness Is…“ danach einfach etwas zu nett. Die Emo-Welle, auf der sie ganz vorne mitgeritten sind, war schon lange abgeebbt und das ehemals grandioseste Gespann New Jerseys (nach Brand New, und selbstverständlich Bon Jovi) dümpelte in den belanglosen Fahrwassern des radiotauglichen Alternative-Rock herum. Beim Versuch, eine neue Marschrichtung zu finden, haben Adam Lazarra und Co sich einfach etwas verloren. Dabei hatte sich ihr Sound ja nicht einfach von heute auf morgen geändert, bereits die ersten drei Alben zeichnen einen klare Linie vom schief gespielten, tränenverschmierten Emo-Punk des Debüts „Tell All Your Friends“ zum kraftvollen, melodramatischen Rock auf „Louder Now“. Die Veränderung war immer Wegbegleiter, nur haben Taking Back Sunday irgendwann nicht mehr so richtig die Kurve gekriegt.

„I’m gonna get you if it takes me all night long!“

Umso überraschender fällt „Tidal Wave“ aus. Taking Back Sunday leisten wahre Überzeugungsarbeit, denn das siebte Studioalbum reißt wie die namensgebende Welle tatsächlich mit. Adam Lazarra, John Nolan, Eddie Reyes, Shaun Cooper und Mark O’Connell haben ihre Spielfreude wieder entdeckt und geben sich ideen- wie abwechslungsreich. O’Connels Schlagzeug treibt die Truppe selbstbewusst mit meist angezogenem Tempo voran. Der zweistimmige Gesang von Lazzara und Nolan harmoniert in „Death wolf“ oder „All excess“ wie lange nicht mehr. Ob mit Akustikspielereien oder voll aufgedrehter Verzerrung: Die zwölf Songs sind ein Auf und Ab der Emotionen von enthusiastisch-optimistischen Nummern wie „Call Come Running“ bis hin zu den melancholischen Tönen von „I felt it too“. Die Feuerzeugmomente von „Coming home“, die Violinen im Hintergrund von „I’ll find a way to make it what you want“ oder die Autotune-Experimente bei „In the middle of it all“ müssen nicht sein, aber immerhin: Taking Back Sunday trauen sich wieder was. In „We Don’t Go In There“ wirken sie sogar angenehm angepisst, und der Titeltrack ist mit seinem Ramones-mäßigen Riff und dem Clash-artigen Text zwar nicht gerade einfallsreich, aber mit Spaß und Herzblut gespielt. Das hat Wirkung.

„Don’t know how you did it, other than you did.“

Die herrlich hingerotzte Frustration von ihren Klassikern wie „Cute without the E“ oder „Head Club“ sucht man natürlich vergebens, aber Taking Back Sunday sind eben auch nicht mehr die herzgebrochenen Teenies von damals. Die Weiterentwicklung muss man jeder Band zustehen, aber eben nicht immer drauf stehen. Mit „Tidal Wave“ können Taking Back Sunday endlich mal wieder überzeugen – nicht mehr als Emo-Punks mit Rasierklinge, aber als Rockband mit Kanten. Ja, klar: Don’t Call it a Comeback – still, they kind of took it back.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Bahamas - Pink Strat // Brand New - The Devil and God are Raging Inside Me // Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - New Junk Aesthetic // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
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