The Amity Affliction – Misery

Album Misery
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
0

The Amity Affliction waren bisher eigentlich keine Band für große Überraschungen. Nun konnte man allerdings feststellen, dass dem letzten Album „This Could Be Heartbreak“ doch ein wenig die Luft ausgegangen ist – vielleicht braucht es in dieser Situation einfach ein neues Rezept oder zumindest ein paar neue Akzente, um nicht immer und immer wieder die gleichen Songs zu schreiben. Mit „Misery“ begeben sich The Amity Affliction nun tatsächlich auf die Suche nach neuen Ufern, wenn auch auf eine Art und Weise, die nicht allen Fans gefallen dürfte. Denn die Band schlägt einen Weg ein, den in letzter Zeit so einige Künstler gegangen sind.

Bestimmender denn je ist der Pop-Appeal, welcher dem Sound der Band natürlich schon immer innegewohnt hat, nun aber klar die Oberhand über die härtere Seite der Australier gewonnen hat. So kommt es, dass Joel nur noch ab zu und dann meist auch nur kurze Passagen oder gar nur einzelne Wörter ins Mikrofon schreien darf. Die Strophen, die sonst immer fest in Joels Hand waren, fallen nun vor allem durch ihren teils minimalistischen Charakter auf, der sich meist durch einen lockeren Drum-Beat und sanfte Beats oder Melodien im Hintergrund auszeichnet. Da der Anteil an Shouts so stark heruntergefahren wurde, steuert Joel nun erstmals seinen rauen Clean-Gesang hinzu, wie zum Beispiel in „Feels Like I’m Dying“.

Leider verkommen die Strophen meist zu bloßen Hinleitungen zum Refrain. Hier sind zwar so einige Ohrwürmer dabei (z.B. „Drag The Lake“ oder „D.I.E.“), allerdings ist durch die blassen Strophen absehbar, dass man sich hier wohl schnell satt hören wird. Darüber hinaus kann man „Misery“ ankreiden, den neuen elektronischen Touch nicht immer vernünftig einzusetzen. Während die erste Single „Ivy (Doomsday)“ an das aktuelle Bring Me The Horizon Album erinnert und an sich nichts falsch macht, wirken die elektronischen Spielereien im Titeltrack reichlich skurril. Bei der seltsam verzerrten Stimme im Refrain könnte man glatt meinen, die Australier hätten sich Crazy Frog für ein Feature ausgeborgt.

Textlich bleiben sich The Amity Affliction indes treu. Weiterhin geht es vor allem um Themen wie Depressionen und ein sehr zwiespältigen Verhältnis zum Tod. Und auch die Liebe zu aufwendigen und detailreichen Musikvideos ist nicht verloren gegangen – ganz im Gegenteil: Die Band erzählt in den Videos zu „Ivy (Doomsday)“, „Feels Like I’m Dying“ und „D.I.E“ eine über zwanzig-minütige zusammenhängende Geschichte rund um einen gescheiterten Raubüberfall.

Allerdings: Wem The Amity Affliction schon immer zu poppig war, oder generell genervt ist von elektronischem Firlefanz und Pop-Appeal sollte einen möglichst großen Bogen um „Misery“ machen. Denn die Australier klingen glattgespülter und massentauglicher denn je. Alle anderen könnten dem Album durchaus etwas abgewinnen. Das ganz große Meisterwerk ist The Amity Afflictions siebtes Album gleichwohl nicht geworden.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

Hinterlasse einen Kommentar