The Dirty Nil – Higher Power

Album Higher Power
Musikrichtung Rock, Punk, Punk
Redaktion
Lesermeinung
5

In diversen Frage-Antwort-Runden bemühten sich die drei jungen Kanadier von The Dirty Nil bislang stets zu verdeutlichen, dass sie nicht in die mit „Punk“ beschriftete Schublade gehören – oder zumindest nicht gehören wollen. Sie behaupten dabei sogar, sie hätten als Jugendliche nicht einmal eine allzu ausufernde rebellische Phase durchlebt. Geglaubt wird es ihnen allerdings nicht. Wie auch, wenn ein schreiender Sänger und kreischende Gitarrensoli ein ums andere Mal deutlich im Vordergrund sind? Oder wenn auch mal der Name Fat Wreck Chords auf ihren Releases steht?

Mehrere Singles, 7-Inches und eine 10-Inch-EP mit dem Titel „Smite“ haben Luke Bentham, David Nordi und Kyle Fisher, aka The Dirty Nil, bislang unter die Leute gebracht, nun folgt in Form von „Higher Power“ das heiß ersehnte Debütalbum. Eine Gratwanderung zwischen Rock, Noise und – ob das kanadische Trio es nun wahrhaben will oder nicht – Punk.

Das Album besticht durch seine unbequemen Gitarrensounds, die sich vom präsenten Bass nicht unterbuttern lassen, sondern sich diesem konsequent entgegenstellen. Treibende Drums und viele Solo-Instrumentierungen machen den Klang aus, der mit diesem poppig-rockigen Noise-Punk zuweisen sogar an Weezer erinnert.

I don’t care ‚bout your boyfriend, he don’t like me anyway. And if you long for me lover, I’ll be waitin‘ in the hay cause I don’t care about your man. We go walking Sunday, playing doctor in the reeds. Your man calls while I’m laughing, you tell him it’s just a breeze.

Gehört „Wrestle Yü To Hüsker Dü“ mit seinen trotzigen Zeilen noch zu den eher düster-drückenden Minuten des Albums, fährt der Nachfolger „Lowlives“ die harte Schiene. „Bury Me At The Rodeo“ zeigt indes Charakterzüge des Rock’n’Roll und „Friends In The Sky“ macht sogar einen Ausflug in den Punkrock – obwohl sich Luke Benthams Stimme immer wieder zu wehren scheint und versucht, in den reinen Punk oder sogar Hardcore-Punk abzudriften. Beinahe wirkt der Track wie ein bandinterner Konflikt. So als hätte jeder versucht, seine Ideen so gut es geht, doch noch irgendwo unterbringen zu können – ob es den anderen Mitgliedern nun passt oder nicht. Das Ergebnis funktioniert jedoch ohne Frage und ist obendrein noch sehr interessant. Fast schon eine Seltenheit bei dieser Art von Musik.

Interessant ist auch der 44 Sekunden-Song „Fugue State“. Mittendrin und ohne jede Vorwarnung kommt er einem entgegen und bevor man überhaupt realisiert hat, was da überhaupt vor sich geht, ist er auch schon wieder vorbei. Die pure Wut in einem kurzen Anfall komplett herausgelassen. Zurück bleiben Verwunderung und der Wunsch nach mehr. Mehr von dieser lauten, energiegeladenen und im Großteil rohen Musik. Und auch mehr von diesen Texten.

One day I may be in, your way. Don’t stop to talk, I’m fine, but I’m sidelined by my mind. Talking in tongues bad intention is a spike in my head. All goes black and all I see is red.“ („Fugue State“).

The Dirty Nil scheinen momentan die kleine kanadische Antwort auf AnnenMayKantereit zu sein:
Gefühlt nur eine Hand voll veröffentlichte Songs, aber schon ein Riesenhype. Bei beiden Bands steht nun der lang erwartete Release des Debütalbums an und während „Alles Nix Konkretes“ des Kölner Trios eher gemischte Pressestimmen hervorrief, löste „Higher Power“ der kanadischen Formation bislang fast ausschließlich Freudenbekundungen aus – zu Recht!

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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