The Flatliners – Dead Language

Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
6

Kann man eigentlich eine Punkband casten? Zugegeben, die bloße Vorstellung wäre amüsant, doch ist eben gerade die Abwegigkeit dieses Hirngespinst von so unendlichem Wert. Popmusik mag heutzutage mit jedem profillosen Vollhorst zu machen sein, so lange da nur ein guter Produzent und viele Effekte ins Budget passen. Punkrock aber funktioniert so nicht und wird es nie – Punkrock wird auf seine Art immer anachronistisch sein. The Flatliners wissen das nur zu gut, schließlich treibt sie genau das seit nunmehr elf Jahren an. Elf Jahre voller Pannen, verranzter Sofas und kaputter Straßen. Es bedarf einer Menge Herzblut davor nicht zurückzuschrecken. Cresswell und Co. haben es nicht getan, sie haben diesen Weg für sich gewählt und gehen ihn unbeirrt weiter. Gut für uns, denn nur so geht auch die herzerfrischende Punkrockoper immer weiter. Der nächste Akt der Parade-Punker: „Dead Language“.

In einer Zeit wo eine Bundesligamannschaft gefühlte 13 und selbst der Trainer oft gerade erst der Pubertät entwachsen ist, kann man nicht von einem guten Umfeld für Routiniers sprechen. Den Flatliners konnte das bislang völlig schnuppe sein und daran ändert sich mit „Dead Language“ rein gar nichts – Toronto spielt weiterhin munter an der Spitze mit. In einem Affenzahn prügelt sich das Quartett durch 12 rotzig-melodiöse Songs angeführt von einem Chris Cresswell in stimmlicher Höchstform. Was fehlt ist der obligatorische Akustiksong, stattdessen hat man die Midtemponummer „Tail Feathers“ im Gepäck, welche mit seinen ausschweifenden Gitarren dann auch brav den perfekten Rausschmeißer gibt. Und zwar gleich so gut, dass man sich doch glatt in Gedanken eine ausladende Arena ausmalt. Aus zu wilden Träumen reißt einen aber zur Not „Drown In Blood“ mit seinem erbarmungslosen Refrain oder eben Highspeednummer „Bury Me“ – Wachmacher gibt’s hier wie Bodensatzniveau bei RTL. Hört man „Dead Language“ ist schließlich auch kein Träumen angesagt, sondern Stimmbandgymnastik der strapaziösen Sorte erste Bürgerpflicht; live oder wem’s beliebt unter der Dusche. Genau so macht Punkrock Spaß, wen interessiert’s da bitte noch, dass sich hier keine Band neu erfindet oder gleich die Musikwelt revolutioniert?

Die Flatliners machen einfach immer weiter, unermüdlich, unaufhaltsam. Wahrscheinlich werden sie die Fahne auch noch hochhalten, wenn Apple irgendwann in der hauseigenen Raumstation das iAuto präsentiert und dabei kein bisschen an Verve verloren haben. Im Hier & Jetzt bestätigt „Dead Language“ aber erstmal was längst keiner Bestätigung mehr bedarf: Auf diese Recken ist blind Verlass!

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Journalist
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Koordination Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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