The Get Up Kids – Kicker

Album Kicker
Musikrichtung Emo-Punk
Redaktion
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Die Get Up Kids sind Einstiegsdroge, Szeneliebling und aufgrund ihrer siebenjährigen inoffiziellen Pause Geheimtipp in einem. Eine Band, bei der man lange suchen muss, um jemanden zu finden, der ein schlechtes Wort über sie spricht, denn letztlich haben sie die Formel gefunden, wie man sich in die Herzen (fast) aller Emo-Kids spielt – und dies nicht nur für drei Minuten, sondern für Jahre. Ihre Musik ist zeitlos; Singles, EPs und Alben gleichermaßen für das Hier und Jetzt wie für das Immer geschrieben. Sieben Jahre nach „There Are Rules“ melden sich die Herren um Matt Pryor nun mit ihrer EP „Kicker“-EP und vier neuen Songs zurück.

Die Get Up Kids sollen darauf erwachsener klingen, heißt es, allerdings ist eher das Gegenteil der Fall. Die einstigen Emo-Heroen wirken eher wie eine Band, die gerade erst anfängt und sich in allem ausprobieren möchte, bevor sie sich für eine Musikrichtung entscheidet. Man kann es als abwechslungsreich bezeichnen, was die Gruppe da abliefert – oder einfach als strukturlos. Opener „Maybe“ läutet mit kratzigem wenngleich melodischem Noise-Punk ein. Viele Dissonanzen, trotzdem eingängig, ein interessanter Charakter. Doch das soll sich schnell ändern, denn auf „Better This Way“ wird einfach alles davon heruntergeschraubt und nein, weniger ist nicht immer mehr. Letztlich plätschert es hier nämlich einfach nur vor sich hin; markig wird es höchstens, wenn nach etwa zwei Minuten für wenige Takte das Klavier hinzukommt. Schade wenn man bedenkt, dass die Get Up Kids in der Vergangenheit bereits bravourös bewiesen haben, dass großes Kino nicht von vielen Elementen abhängig ist.

Und apropos „großes Kino“: „I’m Sorry“ ist auf „Kicker“ nicht nur der Song mit dem größten Ohrwurmprotenzial, sondern ebenso der, der am wenigsten in das nicht vorhandene Konzept passt. „I’m Sorry“ ist von Beginn an flott und zackig und erinnert dabei durchweg an den melodischen Punkrocker der 90er und frühen 00er Jahre, wobei „emoesker Skate-Punk“ allerdings an dieser Stelle wohl die bessere Bezeichnung wäre. Der Song ist nach „Better This Way“ zwar der dringende Weckruf, doch gleichzeitig der Moment, an dem man sich beginnt zu fragen, was die Get Up Kids mit „Kicker“ eigentlich bezwecken wollen. „My Own Reflection“ beendet das Ganze daraufhin und schlägt wie zu erwarten wieder eine andere Richtung ein. Der Song klingt wie eine Kombination aus „Better This Way“ und dem Sound, der „Something To Write Home About“ damals so gut und erfolgreich gemacht hat. Das Hitpotenzial ist da, wirkt jedoch wie in der Mikrowelle aufgewärmtes Essen: Noch genießbar, aber kein Vergleich zum Original – eine passende Zusammenfassung für „Kicker“.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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