The Gospel Youth – Always Lose

Album Always Lose
Label Rise Records
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
6

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – und das ist auch nur gut so – doch trotzdem kommt man nicht umhin zu bemerken, dass bei dem Full Length-Debüt von The Gospel Youth einiges schiefgelaufen ist. Passend zum Bandnamen lädt so auch der Titel „Always Lose“ nicht gerade zum Jubilieren ein, sondern vielmehr zum Fremdschämen. Überdies ist das Cover-Artwork zwar clever, aber ebenfalls keine ästhetische Höchstleistung. Doch man soll ein Buch eben nicht nach seinem Cover beurteilen und wenn man erstmal alle äußeren „Warnzeichen“ von The Gospel Youths „Always Lose“ außer Acht lässt, bekommt man Musik zu hören, an der nun wirklich nichts auszusetzen ist.

Die jungen Herren aus Brighton machen Pop-Rock vom Feinsten – durchdacht, herrlich emotional und absolut konzeptig. „Always Lose“ könnte als Album nicht besser funktionieren; viele Tracks gehen fließend ineinander über, wobei kaum auszumachen ist, ob Song A nun ein ausgesprochen langes Outro hat, oder Song B ein vorbereitendes Intro. Abrupt ist nichts, es ähnelt eher dem Übergang zweier Kapitel – wenn Protagonisten trotz überraschender Erkenntnis ihr Gespräch im Folgekapitel einfach weiterführen und sich überlegen, was zu tun ist. Ein kleiner Schockmoment, doch dann geht es weiter. Muss es weitergehen, ereignisreicher denn je.

Die Musik ist dabei wie gemacht für Fans von Jimmy Eat World und Deaf Havana. Poppig, glatt und für nicht wenige wahrscheinlich bald nervig an die frühen 2000er erinnernd. Obwohl man bereits spätestens bei dem dritten Song weiß wie der Rest des Albums klingt, ist „Always Lose“ aber keineswegs langweilig. Trotz aller Vorausschaubarkeit bietet es eine gewisse Abwechslung – Tempiwechsel und kleine Ausbrüche in den Vocals machen da schon viel aus und schaffen es, die Grundstimmung eines Songs vollkommen zu verändern. Für die große Bühne sind sie dabei jedoch alle gemacht. Pyro-Technik bräuchte es zwar nicht, dafür aber Konfetti und Ballons, ganz der traurigen Lyrics zum Trotz. Liebe, Freundschaft, Verlust, Schmerz und Trauer sind die Oberthemen – genau richtig für das kleine, traurige, innere Emo-Selbst: „Well I guess I messed things up again, maybe all I’ll ever be. Is just a self fulfilling prophecy of all the worries inside me. Well I guess I messed things up again, is this all I’ll ever be? I was trying to be a better person, but I’m weak, I’m weak, I’m weak” („Moods Like English Weather”).

Mitreißende Musik und Texte, die einem – ob man es nun zugeben möchte oder nicht – so aus der Seele sprechen, dass man sie zumindest daheim im stillen Kämmerlein mit voller Inbrunst und vielleicht sogar dem ein oder anderen Tränchen im Augenwinkel mitsingt: The Gospel Youth bedienen auf ihrem ersten Longplayer ein Klischee nach dem anderen und machen doch alles richtig. Ohne jeglichen Zweifel kauft man ihnen ab, dass sie von dem, was sie machen, selber überzeugt sind. Dass ihre Texte nicht erstunken und erlogen sind und dass sie diese Art von Pop-Rock auch selber tatsächlich gut finden – ganz gleich, ob er nun bereits seit Jahrzehnten durch die Radiolandschaft flattert. Die Geister werden sich hier mit hoher Sicherheit scheiden, egal wird es aber wohl kaum jemandem sein. Entweder man liebt „Always Lose“ oder man hasst es, einen Kompromiss wird man kaum finden.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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